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Mon, May 21, 12
Interviews Robin Beck
 

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Selbst ist die Frau

Als Robin Beck 1988 mit dem Coca Cola-Trailer-Song "First Time" einen Welthit landete, glaubte jeder an das nächste Big Thing und eine lange große Karriere. "Save Up All Your Tears" und "Tears In The Rain" konnten immerhin im deutschsprachigen Europa noch gut verkauft werden, während sie im Rest der Welt leider unter den Tisch fielen. Danach wurde es trotz der insgesamt durchweg gutklassigen Alben eher still um die sympathische Sängerin. Mit ihrem neuesten Album "The Great Escape" hat sich Robin Beck nun komplett von externen Mitstreitern losgesagt und das Album im Alleingang mit Ehemann James Christian (House Of Lords) produziert und über ihr eigenes Label veröffentlicht. Ingo konnte sich im ausgiebigen Gespräch mit Robin über die Hintergründe informieren - die Quintessenz des Gesprächs wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten.

Gleich beim ersten Überfliegen der Albumdetails fällt auf, daß Du das gesamte Album im Team mit Deinem Mann und Tommy Denander im Alleingang geschrieben hast. Warum hast Du nach all den Jahren die Dienste von so großen Songwritern wie Desmond Child nicht mehr in Anspruch genommen?

Weil wir diesmal einfach alles selbst in die Hand nehmen wollten. Da wir ja über mein eigenes Label veröffentlichen, konnten wir uns entsprechend viel Zeit nehmen und die Songs selbst gut genug ausfeilen. Es war auch sehr schön selbst zu produzieren und niemanden im Nacken sitzen zu haben, der mir erzählt, was ich singen könnte und was nicht. Es kam auch keiner mehr daher, der sagte: "Ich mag Deinen Song wirklich, aber den von Jack Johnston finde ich viel besser..." So etwas brauche ich einfach nicht mehr.

Dabei sind einige potentielle Hitsongs entstanden, die durchaus für einen Charteinstieg in Frage kommen würden, wenn sie Airplay und Berücksichtigung der Medien erfahren würden.

Aber hallo! Dann sollten sich die Radio- und TV-Stationen aber mal ordentlich am Riemen reißen! Hah!

Interessant finde ich auch, daß Du in Zeiten, in denen es haufenweise große Labels dahinrafft, Dein eigenes Label auf die Beine stellst. Ist das der Weg, den man als Künstler heute gehen muß, wenn man noch halbwegs etwas mit seiner Musik verdienen möchte?

Ich denke schon, daß das der richtige Weg ist, sonst würde ich ihn ja nicht beschreiten. Da die einzigen Künstler auf meinem Label ich, meine Tochter und in der Zukunft mein Mann sind, habe ich natürlich die volle Kontrolle über alles - auch darüber, welches Album wir in welcher Stückzahl produzieren lassen. Ich muß keine 250.000 Einheiten auf einen Schlag pressen lassen, sondern ich kann mit ein paar tausend Alben beginnen und erst einmal sehen, wie sich die Verkäufe entwickeln. Wenn sich der Vorrat dann dem Ende entgegen neigt, ist es inzwischen auch kurzfristig möglich, neue CDs anfertigen zu lassen. So halten wir die Kosten niedrig und damit auch das Risiko. Dadurch, daß nun sowohl die Einnahmen des Labels als auch die Anteile für die Künstler bei uns bleiben, müssen wir auch nicht mehr so viele Einheiten absetzen. Das macht einiges leichter.

Das bedeutet aber auch im Umkehrschluß, daß kein großes Label mehr da ist, das eine ausgedehnte Tournee (vor)finanzieren könnte.

Das stimmt, nur ist es natürlich nicht einfach, eine Tour aufzusetzen. Ich habe immer wieder TV-Shows, bei denen ich zu Gast bin. Mehr findet im Moment eigentlich nicht statt. Ich bin im April in einer TV-Show in Österreich und eventuell auch bei einer weiteren Show in Deutschland. Eventuell könnte es auch sein, daß wir im Juni oder Juli einige echte Konzerte geben werden, hier ist aber noch nichts spruchreif. Das Problem ist immer, daß ein Teil der Band hier aus den Staaten kommt und Tommy in Schweden sitzt, was die Logistik nicht vereinfacht. Sobald etwas definitiv bestätigt ist, wird das sofort über meine Webseite kommuniziert.

Damit hast Du auch gleich meine nächste Frage beantwortet: Warum hast Du in Florida und Schweden aufgenommen...


Zum einen bin ich sehr gerne in Schweden, weil die Landschaft dort wirklich wunderschön ist und ich dort auch eine Menge sehr guter Freunde habe. Zum anderen hat Tommy dort auch sein Studio, das stimmt.

Welche TV-Shows Du diesmal besuchen wirst, kannst Du ja leider noch nicht verraten. Was ich aber weiß ist, daß Du im letzten Jahr im ... ähm ... ZDF-Fernsehgarten zu Gast warst...

Warum kicherst Du dabei so doof?

Naja - der Fernsehgarten?

Klar, die Sendung hat riesige Einschaltquoten. Der Auftritt war sicher eine sehr gute Werbung für mich.

 Ja - aber hast Du Dir mal angesehen, was da für Leute im Publikum sitzen?

Kleiner, Vorsicht! Mein Mann und ich sind auch schon in den 50ern!

Aber irgend etwas muß dann bei Dir und James richtig gelaufen sein, und beim Standard-Fernsehgärtner nicht, oder?

Na soooo schlimm waren die Zuschauer auch nicht. Die haben halt die ganze Show über im Takt mit geklatscht, was mich etwas irritiert hat, die Betreuung vor Ort war aber sehr professionell und gut und wir hatten danach auch guten Traffic auf der Webseite.

Robin BeckNa wenn etwas dabei herum gekommen ist, ist das ja auch noch legitim. Wie ist der Titel "The Great Escape" zu verstehen? Hat es etwas mit Deiner "Flucht" vor der großen Industrie zu tun und damit, daß Du nun komplett auf Dich gestellt bist?

Damit liegst Du leider völlig falsch, tut mir leid. Haha. Aber vielleicht sollte ich mir zu dieser Thematik tatsächlich irgendwann ein paar Texte ausdenken. Ich habe normalerweise immer ein Bild im Kopf, das ich dann versuche textlich umzusetzen. In diesem Fall war das Bild, daß es im Leben immer etwas geben sollte, das die Menschen glücklich macht, einen Ort, an dem sie sich einfach fallen und loslassen können. Das ist im Prinzip der Gedanke, den das gesamte Album verfolgt. Wenn man die Scheibe einlegt, soll sie einen vom täglichen Streß ablenken und zu einer kleinen Insel der Entspannung werden, auf der man nicht über die nächsten Rechnungen oder seine täglichen Probleme nachdenken muß. Quasi ein gute Laune-Album. Wenn ich mir ein Album von den Beach Boys oder Janis Joplin anhöre, dann bin ich auch an einem anderen Ort. Wenn ich es schaffe, daß meine Fans das gleiche Gefühl haben, wenn sie sich "The Great Escape" anhören, dann habe ich mein Ziel erreicht.

Bei zwei, drei Songs hast Du Gastsänger mit auf Deine Insel genommen. Ich konnte James Christian erkennen, doch auch der zweite Sänger kommt mir wahnsinnig bekannt vor. Leider konnte ich nicht herausfinden, um wen es sich handelt.

Joe Lynn Turner ist einer meiner Lieblingssänger. Und da ich ja machen kann, was ich will, habe ich mir gedacht, daß es schön wäre, ihn auf der Platte bei einem Song dabei zu haben.

Beim Durchhören der Scheibe fällt auf, daß alle Tracks auf gleich hohem Niveau sind. Sicher auch ein Effekt davon, daß Ihr genug Zeit hattet und kaum externe Songwriter integriert wurden. Wie schon gesagt, die Scheibe hat Hitpotential und ich hoffe, daß Du Millionen davon absetzt, um ausgiebig touren zu können, da ich Dich noch nie live gesehen habe.

Wenn ich die Möglichkeit dazu bekäme, würde ich nur noch touren. Das hat mir damals schon sehr viel Spaß gemacht.

Heute ist es ja auch eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Einnahmequelle von Musikern geworden, möglichst viele Konzerte zu spielen, da hier die echten Fans dann auch noch bezahlen. Du warst ja nach "First Time" richtig ausgebucht. Hast Du es damals übertrieben und deshalb ab 1997 eine zehnjährige Pause eingelegt?

Es war irgendwann schon etwas ermüdend, immer nach "First Time" gefragt zu werden, da gebe ich Dir recht. Der tatsächliche Grund für die Pause war jedoch die Geburt meiner Tochter. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie sehr sich deine Schwerpunkte dadurch verschieben. Ich hatte nur noch Augen für meine Tochter - das ist heute noch immer so, nur kann sie das im Moment nicht besonders leiden. Das ist gerade wieder so eine Phase bei ihr. Wenn es ihr zuviel mit Mom wird, schickt sie mich singen. Haha.

So ganz kann ich es mir noch nicht vorstellen, wie das sein wird, aber in näherer Zukunft wollen wir auch mit der Produktion starten.

Was laberst Du dann noch mit mir? Los, geh, schnapp Dir Deine Frau - und mach Babies! Hopp, hopp! Hahaha!


Bevor ich das erledige, brauche ich aber noch ein paar Infos von Dir. Zum Beispiel interessiert mich, warum Du vor zwei Jahren "Trouble Or Nothing" noch einmal komplett neu aufgenommen hast. Hätte es nicht gereicht, die Scheibe einfach zu remastern?

Das waren wieder einmal die Mühlen der großen Industrie. Im Laufe der Jahre wurden die Rechte von einem Major zum nächsten und wieder zurück verkauft. Am Ende war es dann so, daß einfach niemand mehr wußte, an wen ich mich wenden konnte, um meine eigene Musik zu lizensieren. Ich habe damit gut fünf Jahre zugebracht und bin nicht weiter gekommen. So war es dann doch einfacher, alles komplett neu aufzunehmen. Der Hauptgrund für die neue Veröffentlichung waren vor allem die vielen Anfragen von Fans, das Album neu aufzulegen, weil es am Ende nur noch zu überteuerten Preisen bei ebay erhältlich war. Es war ganz schön hart, die Scheibe nach 20 Jahren neu aufzunehmen und dabei so nah wie möglich am Original zu bleiben. Ich habe eigentlich vor, in zwei bis drei Jahren eine "Best Of" zu veröffentlichen, was wahrscheinlich wieder an Businesskram scheitern wird. Ich finde es langsam an der Zeit, daß die Labels den Künstlern die Möglichkeit geben sollten, ihre eigene Musik zumindest zurück zu kaufen. Schließlich ist es ja das, was ich selbst geschaffen habe. Doch aktuell interessiert das bei den großen Labels leider noch keinen.

Es ist immer jemand da, der mit verdienen will und die Hand aufhält. Daran geht irgendwann die gesamte Musikindustrie zu Grunde.

Ja, das wird alles noch viel schlimmer, weshalb ich ja auch sehr froh bin, daß ich das alles nun nicht mehr befürchten muß, zumindest mit dem neuen Material.

Dann kannst Du mir sicher auch etwas über Deine weiteren Pläne verraten.

Wir planen für die zweite Jahreshälfte eine Live-DVD aufzunehmen, auf der dann alle meine wichtigsten Songs zu finden sein werden. Den Gedanken trage ich schon lange mit mir herum, doch um ein solches Projekt wirklich gut auf die Beine zu stellen, müssen einige gute Faktoren zusammen kommen. Ich möchte nicht nur ein paar Kameras mit laufen lassen, sondern eine richtig gute Produktion mit gutem Bild, vielen Kameraeinstellungen und tollem Sound veröffentlichen. Das braucht einige Vorlaufzeit und natürlich muß ich auch das entsprechende Geld in die Hand nehmen. Allein schon deshalb muß alles perfekt organisiert sein, damit das Ergebnis auch wirklich gut wird.

Robin BeckDa es ja Deine erste Live-DVD werden wird, mußt Du Dir sicher keine Gedanken um zu geringe Nachfrage machen. Wenn nur jeder Dritte, der "First Time" mochte, zuschlagen wird, knackst Du die Charts mit Links. A propos "First Time": Wie bist Du damals eigentlich zu dem Mega-Deal mit Coca Cola gekommen? Ich denke mal nicht, daß die einfach morgens um fünf bei Dir angerufen und Dir den Song angeboten haben, oder?

Doch, genauso war es. Nicht um fünf Uhr, sondern vormittags. Ich war zu der Zeit häufig als Backgroundsängerin in einigen Studios gebucht und eines Tages haben sie mich angerufen und gefragt, ob ich einen Jingle für Coca Cola einsingen wollte, was ich natürlich getan habe. Zu Beginn war das auch noch ganz entspannt. Ich wußte anfangs nicht einmal, daß es dazu eine Plattenveröffentlichung gegeben hatte. Die Single war schon auf Nummer eins und ich wußte noch nicht einmal, daß ich überhaupt einen veröffentlichten Song hatte… bis zu dem Tag, ein paar Wochen später, als mich ein Manager von Phonogram mitten in der Nacht anrief. Er teilte mir nur kurz mit, daß ich am nächsten Wochenende nach England fliegen würde, weil ich bei Top of the Pops auftreten sollte. Ich dachte im ersten Moment, daß mich Steve, der Drummer von Duran Duran veräppeln wollte, weil er auch mit einem britischen Akzent sprach. Darauf sagte der Manager-Typ: "Hier spricht John Watson aus England - und ich scherze nicht! Wollen Sie nun bei "Top of the Pop" spielen, oder nicht?". Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich eingelassen hatte. Als ich in London aus dem Flieger geklettert bin, waren tausende Fans am Flughafen um mich zu empfangen. Du kannst Dir vorstellen, daß das ein Sprung in extrem kaltes Wasser für mich war - aber auch eine wundervolle Erfahrung, die mein Leben von einer Sekunde auf die andere vollkommen auf den Kopf gestellt hat. Ich habe Jahre lang versucht, als Künstler erfolgreich zu sein und sehr viel Sessionarbeit geleistet und jede Nacht mit den verschiedensten Bands und Künstlern in Bars und kleinen Clubs gespielt, um mein Leben zu finanzieren. Und auf einmal platzt der Knoten, ohne daß ich irgend etwas davon wußte. Ich war darauf wirklich nicht vorbereitet.

Ich denke auch nicht, daß man sich darauf wirklich groß vorbereiten kann. Abschließend bleibt mir noch zu sagen, daß damals, als Du den Durchbruch geschafft hast, der klassische (Hard)Rock riesengroß war. Danach kam die Grungewelle und Du hast Dich für einige Jahre um Deine Tochter gekümmert, um jetzt, wo sich der gute, handgemachte Rock wieder ganz deutlich auf dem steigenden Ast befindet, wieder mit einer sehr starken Rockplatte auf den Markt zu kommen. Ich sehe sehr gute Chancen, daß Du mit "The Great Escape" an Deine alten Erfolge anknüpfen könntest. Siehst Du diesen Trend in Amerika auch oder ist das nur auf Europa beschränkt?

Ich bemerke diese Entwicklung in den USA auch, allerdings fällt das bei uns nicht so auf, weil wir hier schon immer reine Rockradio-Stationen hatten, auch in Zeiten von Grunge & Co. Dennoch scheinen die Fans sich wieder auf unsere Musik zurück zu besinnen und ich hoffe, daß sie das neue Album annehmen werden. Es ist schließlich das persönlichste Werk meiner gesamten Karriere geworden.

Interview & Text: Ingo

Offizielle Band-Homepage: www.robinbeckrocks.com


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