Breed 77

Außergewöhnliche Metalsounds mit einer Portion Kulturmixtur erhält der Rockfan dieser Tage von einer sehr talentierten Truppe aus Gibraltar, der metallisch unwirtlichsten Ecke Süd-Europas. Breed 77 besteht aus fünf virtuosen Köpfen, die sich dem Metal verschrieben haben und ihre ganz eigene Melange aus progressiven, harten Elementen und traditionellen spanischen Flamenco-, sowie arabischen Klängen auf ihrer neuesten Scheibe „Insects“ präsentieren, die seit Ende Mai erwerblich ist. Der frische Bund mit dem heimischen Label earMusic/edel trägt erste Früchte mit hervorragender Resonanz der Fachpresse und darf auf eine großartige Laufbahn der Ethno-Truppe hoffen lassen. Gitarrist und Sprachrohr Danny Felice beatwortete die per Email nach London ans Bandmanagement übermittelten Fragen in sagenhaft kurzen 83 Minuten – wobei es sich meiner Kenntnis entzieht, wann er die Fragen von dort erhielt! -, daß er mit seiner Aktion als unangefochtener Rekordhalter im Beantworten von Interviewfragen in die Annalen des Hard Times Magazins eingehen wird! Danke Danny!! ;-))
Ihr seid ja schon eine ganze Weile im „Business“, seit 1996 um genau zu sein. Ich muß aber zugeben, daß Euer mittlerweile schon fünftes Album „Insects“ das erste Lebenszeichen ist, das ich von Euch vernehmen konnte. Woran, glaubst Du, liegt das?
Nun, man kann nicht wirklich sagen, daß wir seitdem im Business sind. Wir hatten uns damals ´96 gegründet und waren nur eine junge Band, die so viel spielen wollte, wie nur irgend möglich. Als wir dann 2002 unser selbstbetiteltes Debutalbum über Albert Productions veröffentlichten, fing es langsam an, ernster zu werden. Wir haben inkl. „Insects“ seitdem gerade mal zwei Alben auch in Deutschland herausgebracht und das erste davon auch noch in sehr limitierter Stückzahl… es ist also kein bißchen verwunderlich, daß Du noch nichts von uns gehört hast! ;-) Leider gab uns bislang keine Plattenfirma eine Chance, auch außerhalb Großbritanniens publik zu werden. Um so mehr freuen wir uns, daß wir nun bei earMusic untergekommen sind und „Insects“ auch bei Euch präsentieren können.
Ihr konntet trotz mangelnder Popularität bei uns aber dennoch einige Live-Erfahrungen über die letzten Jahre in Deutschland sammeln. Was haltet Ihr von den deutschen Fans und freut ihr Euch, das neue Album hier vorstellen zu können?

Definitiv! Ich denke, Deutschland ist für Metal das wichtigste Land Europas. Es gibt großartige Festivals, enthusiastische Fans und eine tolle Rock-Tradition. Es war immer schön, bei Euch zu spielen und wir sind richtig heiß, endlich mit dem nötigen Background, bald wieder auf unsere deutschen Fans zu treffen!
Jetzt, wo Ihr das neue Pferd im Stall von earMusic/edel seid, gibt es jede Menge Aufmerksamkeit für Euch… Ihr seid mit Songs auf Magazin-Samplern vertreten, es kursieren Video-Interviews, Live-Videos und es gab sogar nicht wenige CD-Release-Parties in Clubs mehrerer Städte Deutschlands. Seid Ihr soweit zufrieden, wie sich die Dinge entwickeln? Was erwartet Ihr noch?
earMusic arbeiten wirklich hart für uns. Es ist ein tolles Gefühl, zu sehen, daß man sich kümmert und einem die Möglichkeit gibt, die eigene Musik in die Welt hinaus zu tragen. Wir sind sehr zufrieden, wie sich die Dinge momentan entwickeln und hoffen, daß es noch eine Zeit lang so gut weiter läuft.
Ihr seid einer dieser Metalbands, die in ihrem Sound eine Menge fremdländischer Einflüsse verbraten. Nun ist es ja nicht mehr so extrem neu, stilübergreifende Komponenten in einen Metalsound einfließen zu lassen. Was macht aber Euch dennoch ganz besonders?
Nun, wir sind eine Metalband aus Gibraltar. Hast Du jemals von einer anderen Metaltruppe aus Gibraltar gehört? ;-) Das Territorium, in dem wir aufwuchsen, ist sozusagen sehr überschaubar, gerademal 30.000 Köpfe gibt es dort. Gibraltar ist dem Einfluß Spaniens, Englands und des nicht weit entfernten Afrikas ausgesetzt. Wir wurden Zeit unseres Lebens also mit mannigfaltigen Kulturen umringt. Das reicht von der Musik über Kunst bis hin zu der Lebensweise der Menschen. Daher auch unsere Elemente aus dem Flamenco und dem Arabischen, die unseren Sound zumindest unserer Meinung nach einzigartig machen.
Durchaus… und wenn man sich z.B. diverse Videos auf YouTube von Euch ansieht, wo Ihr einige Songs – unter anderem die erste Singleauskopplung „Who I Am“ der neuen Platte – in akustischer Instrumentierung vortragt, wird auch jedem offensichtlich gemacht, wieviel Talent in Euch steckt. Wäre das auch eine zukünftige Idee, eine rein akustische Platte aufzunehmen?

Wir haben schon immer akustische Sachen gemacht. Ein guter Song kann in vielerlei Art und Instrumentierung wirken. Und wer weiß, vielleicht nehmen wir wirklich eines Tages ein akustisches Album auf… es ist zwar noch nicht geplant, aber man sollte sich selbst niemals Grenzen setzen und immer auf die Freiheit im Musizieren setzen. Nur so bleibt Spannung und Spaß an der Sache erhalten.
Interessant ist die Wahl Eurer Cover-Nummer… Ihr habt Euch an „Zombie“ von den Cranberries herangewagt und meiner Meinung nach das Original um Längen geschlagen. Warum ausgerechnet dieser Song?
Wir hatten eines Tages vor uns hingejammt und kamen auf das Riffing des Songs. Wir merkten, daß die Nummer in unserer Version durchaus von Breed 77 stammen hätte können und so beschlossen wir, sie zu covern. Außerdem sind die Lyrics des Songs sehr stark und leider nach wie vor aktuell. Es ist ein druckvoller, wichtiger Song unsere Zeit.
Euer fünftes Werk habt Ihr „Insects“ getauft. Was bedeutet dieser Titel in Bezug auf das Album?
„Insects“ basiert auf einem losen Konzept. Wir vergleichen damit unsere Welt mit der Welt der Insekten. Im Prinzip ist unsere Welt eine Kopie der Insektenwelt… sie ist grausam, nur die Stärksten überleben und sie ist zerstörerisch. Verschiedene Insekten erledigen verschiedene Jobs. Ameisen und Bienen haben Arbeiter, sind organisiert und haben eine Hierarchie. Heuschrecken wiederum kommen in Schwärmen und zerstören ihre Umwelt, so wie wir es auch tun. Jäger-Insekten stürzen sich auf die Schwächeren, egal welcher Spezies sie angehören, um sie auszumerzen. Klingelt´s da nicht sofort bei jedem? Hier sind schon sehr viele Parallelen festzustellen.
Was beschäftigt Euch am meisten in Bezug auf Eure Songtexte?
Das Leben im Allgemeinen… die Welt in der wir leben… „The Battle Of Hatin“ z.B.
war eine berühmte Schlacht anno 1187 zwischen Christen und Muslimen. Außer unserer Technologie hat sich seit fast 1000 Jahren politisch rein gar nichts geändert. Der Song behandelt die Ignoranz und die Gewaltbereitschaft, die seit jeher ohne jegliche Veränderung und Erkenntnis aus der Geschichte, bestehen. Wenn nicht irgendwann der Groschen fällt, ist die Menschheit wohl dazu verdammt, immer wieder die selben Fehler zu begehen und daran zu Grunde zu gehen.
Ich habe auf YouTube das Video zum Opener „Wake Up“ erspäht und war ganz entzückt, als die Vocals in spanisch waren! Habt Ihr das komplette Album auch in spanisch aufgenommen? Wo kriegt man das?
Ja, das haben wir tatsächlich. Es wird auch bald regulär erhältlich sein. ;-)
Was findest Du, paßt besser zu Euch: Englisch oder spanisch?
Hmmmm…. Das hängt davon ab, welchen musikalischen Unterton der jeweilige Song hat. Beim Flamenco-Einfluß ist sicher spanisch passender und beim regulären Metalbrecher eher englisch, aber wir mixen generell gerne durch. Wir sind zweisprachig aufgewachsen, womit wir bei beiden Sprachen kein Problem oder eine eindeutige Tendenz haben.
Kommen wir nochmal zurück auf Eure Geburtsstätte Gibraltar... war es nicht schwierig, als Metalhead in einer solchen Umgebung, am Erfolg zu schrauben? Oder ist es egal woher man kommt, man hat es als Metaller nie leicht? ;-)

Naja, um Erfolg in reelle Aussicht zu bringen, mußten wir tatsächlich erst einmal raus aus Gibraltar und zogen deshalb nach London. Es gab weder Clubs noch Studios, noch sonstige Einrichtungen, wo man als Metalband hätte irgend etwas erreichen können. Wir mußten wirklich alles alleine aufziehen… von der Aufnahme, über Liveshows bis hin zum Bauen einer Bühne. Und es war stets mit großen Schwierigkeiten belastet. Gerade die ältere Generation hatte nicht einen Funken Verständnis für unsere Musik, unsere Klamotten und die langen Haare und so weiter. Und wir mußten für unsere Freiheit kämpfen, um so zu sein, wie wir wollten. Aber es ist schon so, wie Du sagst: Jeder, der in einem Kaff aufwächst und Metalhead ist, hat es schwer sich seinen Weg zu bahnen.
Und der Kampf hat sich gelohnt. Die Reaktionen auf „Insects“ sind überwiegend positiv. Gibt es denn schon Zahlen, was den Verlauf angeht?
Nein, es ist noch ein wenig früh, um über Zahlen reden zu können. Aber wir sind zumindest sehr stolz auf die vielen sehr guten Reviews der Presse.
… einschließlich der unseren, nachzulesen im Scheibenkleister! Wie sehen Eure nächsten Pläne aus?
Aktuell arbeiten wir an einer Tour durch Europa, die uns natürlich auch nach Deutschland führen wird. Also gebt Acht, die Insekten kommen und werden auch bei Euch Halt machen… schon sehr bald! ;-)
Dann halte ich das Insektenspray schon mal bereit!! Hehe!!
Band-Homepage: www.breed77.com
Interview & Text: Max
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