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Mon, May 21, 12
Interviews John Garcia

John Garcia plays KYUSS

John Garcia - One Inch Man

Die Ikone des kalifornischen Staubwüstenrocks John Garcia ist unterwegs und serviert unter der Projektbezeichnung „Garcia plays Kyuss“ alte Kyuss-Songs. Die Fans durften auf MySpace zur Setlist beitragen, und nun ein bißchen darüber hinwegkommen, daß sich die Band in den frühen 90er Jahren viel zu früh getrennt hat. Obwohl Kyuss seinerzeit der große Durchbruch verwehrt blieb, scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, daß damals abseits der Grunge-Welle ein neues Genre mit Kultpotential entstand, für das der geneigte Gourmet inzwischen weit offene Ohren hat. Hard Times sprach mit dem Urgestein des Stoner-Rocks in München und erfuhr, wie Kyuss-Klassiker entstanden und was John Garcia selbst als Überraschung für die schmachtenden Fans im Köcher hat.

Wie fühlt sich das an, mit den alten Songs auf Tour zu gehen? Einer von uns (Ralf) durfte Dich bereits in Köln erleben!

Oh, in Köln das ist ziemlich schlecht gelaufen…

Wie bitte? Das haben wir ganz anders erlebt. Die Fans haben tolle Stimmung gemacht und sind voll mitgegangen.

Das ist nett, daß Ihr das sagt. Ich liebe Köln an sich, aber die Location war ziemlich übel. Die Monitorboxen waren beschissen und alles war schlecht abgemischt. Seit Köln haben wir ein anderes Mädchen an den Reglern, die einen echt guten Job macht.

Neigst Du denn dazu, selbstkritisch zu sein und hart mir Dir ins Gericht zu gehen?

Ja, unbedingt und das muß auch so sein. Das alles ist nicht nur Spaß und Spiel, sondern Du willst einfach gut sein und eine klasse Show abliefern. Wir [die Band] wissen genau, ob es eine gute Show ist, wenn alle Fans gemeinsam auf einem Vibe abgehen. Dafür muß man einen gewissen Standard bringen.

Es scheint, als hättet Ihr für die Tour zu kleine Locations gebucht. Ihr seid sowohl in Köln als auch in München auf größere Hallen ausgewichen. Waren Deine Erwartungen zu niedrig?

Wir wollten nicht das Risiko eingehen in großen Hallen vor nur 200 Leuten zu spielen. Außerdem stehe ich auf die Intimität kleinerer Clubs. Größere Hallen weisen meist einen Graben zwischen Bühne und Fans auf. Das mag ich eigentlich überhaupt nicht, weil es die Interaktion mit den Fans behindert. Natürlich bin ich jetzt froh, daß das Interesse so groß ist.

Hattest Du vor dem Tourstart Bammel?

Ja, schon. Insbesondere, weil diese Tour auch das Ziel hat, auf mein neues Solo-Projekt „Garcia vs. Garcia“ aufmerksam zu machen, dessen Erfolg für mich persönlich entscheidend ist. Seit einem Jahr bin ich mit Ram [Tourmanager] dabei zu planen, wie dieses wichtige Projekt lanciert werden kann. Garcia plays Kyuss ist hierfür ein phantastisches Vehikel. Ich denke Ihr kennt die Kyuss/Queens Of The Stone Age –Split EP. Damals ging es darum, das neue Projekt von Josh [Josh Homme, Ex-Gitarrist von Kyuss und jetzt der Kopf von Queens Of The Stone Age] bekannt zu machen. Ich mache das nicht mit einer CD, sondern live. Außerdem macht es mir Spaß, den Liedern neuen Atem einzuhauchen und sie wieder auszuloten. Aber jetzt, wo die Knochenarbeit hinter uns liegt, die Ram und ich geleistet haben, z.B. um die handverlesenen Musiker zu finden und zwar so, daß alles Sinn macht und gut zusammenpaßt, überwiegt im Moment Glück und Dankbarkeit.

Du scheinst also gerne zu touren. Wirst Du vielleicht auch künftig öfter auf Tour als früher gehen?

Auf jeden Fall. Gerade was das Projekt Garcia vs. Garcia angeht, so muß ich auch rausgehen und es bekannt machen. Und das wird mir großen Spaß machen. Jedoch darf man nicht vergessen, daß solche Projekte von der Professionalität der gesamten Crew, des Managements und der Band abhängen. Es ist keine fucking Party auf Rädern. Wir haben zwar eine gute Zeit und fühlen uns gerne als eine große Familie auf Reisen, aber wir haben einen Job zu machen, und wer da keine gute Leistung bringt, fliegt raus und dann suchen wir halt ein anderes Familienmitglied. So muß es sein und so wird es auch bei Garcia vs. Garcia sein.

Du betrachtest diese Tour also vor allem als Zwischenschritt zu Deinem eigentlichen Vorhaben, Garcia vs. Garcia unter die Leute zu bringen?

Ja, ganz richtig. Wißt Ihr, ich bin gerne ab und zu mit Hermano unterwegs [sein stabilstes Projekt der letzten Jahre], weil es eine gute Sache ist und ich kann mir meinen Fix abholen. Jedoch war es seit meinem 18. Lebensjahr mein größter Traum, ein Soloprojekt aufzuziehen und nun bin ich 39. Jetzt ist es endlich bald soweit. Ich schätze und ich hoffe, daß ich damit Sommer oder Herbst nächstes Jahr am Start sein werde.

Erzähl uns ein bißchen mehr über Garcia vs. Garcia. Was haben wir zu erwarten?

Es wird definitiv eine Rock-Scheibe. Plane ich damit den Rock zu revolutionieren? Nein. An einigen der Lieder arbeite ich bereits seitdem ich 18 war und mit Nick Oliveri in Palm Springs zusammengewohnt habe. Die Lieder hatten also eine richtig lange Zeit, um in meinem Kopf zu schmoren und verbessert zu werden. Ich habe also eine lange Liste von Liedern, die immer mehr und besser werden. Es wird übrigens auch ein paar sanfte Stücke darunter geben, nicht nur Hardcore-Kram. Ich meine damit aber nicht etwa Balladen, sondern eben ein paar softere Sachen.

Wirst Du damit zu uns auf Tour kommen?

Auf jeden Fall. Das wird die erste Station.

Wie weit bist Du denn schon mit den Aufnahmen?

Ich habe mit verschiedenen Musikern über 40 Songs aufgenommen und jetzt muß ich das natürlich auf so 12-14 Songs eindampfen. Wahrscheinlich werde ich die dann noch einmal mit Musikern aufnehmen, die auf meiner Wunschliste stehen: Brant Bjork, Nick Oliveri, Ed Mundell von Monster Magnet, Drummer Trinidad Leal von Dixie Witch. Das ist keine Supergroup, einfach nur eine Wunschliste von Leuten, mit denen ich zusammenarbeiten möchte. Gerade in der erneuten Zusammenarbeit mit Brant Bjork [Ex-Drummer von Kyuss] erfüllt sich ein lange gehegter Traum. Er gibt mir seinen Segen für das Projekt, Nick [Oliveri] auch, ebenso Scott Reeder.

Und was meint Josh Homme dazu?

Er sagt: „Kein Kommentar“! Als er mich damals gefragt hat, wie es für mich wäre, wenn er diese Split EP Kyuss/Queens Of The Stone Age machen würde, habe ich das voll unterstützt und sagte: „Na klar! Mach das! Das ist doch super!“. Im Vergleich dazu ist er jetzt natürlich etwas kurz angebunden, was mich nicht gerade glücklich macht. Aber mißversteht mich da nicht. Ich liebe Josh von ganzem Herzen. Er ist wie ein Bruder für mich. Wenn er jetzt rein käme, würde ich ihm sofort mein letztes Hemd geben und umarmen.

Aber das heißt nicht, daß Ihr mal wieder was gemeinsam aufzieht?!

Oh, ich würde es lieben, mit ihm was zu machen. Nicht zuletzt spielt er saugut. Ich meine, wenn man solange zusammen Musik macht, ist es direkt schwer, daß was er macht, nicht zu mögen. Aber ich sag’ Euch mal was: Die neue Platte seiner Frau [Brody Dalle; ex-Distillers, derzeit in der Band Spinnerette] mag ich lieber als Them Crooked Vultures [Josh Hommes neues Projekt mit Dave Grohl und John Paul Jones]. Lustig ist, daß ich zunächst gar nicht wußte, daß es seine Frau war. Ein Kumpel gab mir die CD, weil er weiß, daß ich ständig neue Musik suche, ich lege die Scheibe nichtsahnend in den Player und denke: „Wow“! Was für ein geiler Kram!“. Naja, Them Crooked Vultures ist auch cool aber reicht einfach nicht an die Spinnerettes heran.

Gehen wir noch einmal zurück in der Zeit. Wir glauben, daß sich die Fans durchaus ein Comeback von Kyuss wünschen würden, weil sie genauso wie wir sentimental sind und gerade auf die alten Sachen total abfahren. Wie beurteilst Du die Chancen?

Also, die Chance, daß Josh mich anruft und fragt, ob wir nicht mal ein paar Shows zusammen machen wollen, ist praktisch Null. Ich kann mir nicht vorstellen, daß das passieren könnte. Ich meine, ich bringe ja im Moment die alten Sachen. Mir ist doch völlig klar, daß ich hier nur auf der Kyuss-Welle reite. Da gibt es doch gar keinen Zweifel, ich bin da Realist. Aber ich werde das aber auch nicht für den Rest meines Lebens machen. Für diejenigen, die Kyuss nicht in den alten Tagen sehen konnten, ist das jetzt die Gelegenheit es zu sehen bevor ich es an den Nagel hängen werde! So nah wird man an das Original so schnell nicht wieder herankommen. Das soll natürlich nicht heißen, daß ich künftig am Ende von Shows mit Hermano oder mit Garcia- vs. Garcia nicht mal wieder „Green Machine“ oder „Thumb“ raushaue. Die anderen machen das doch auch. Als ich gesehen habe, wie Josh und Nick von QOTSA in Buenos Aires „Supa Scoopa And Mighty Scoop“ gespielt haben, dachte ich: das ist echt geil! Ich bin durchaus stolz auf meine Vergangenheit und ich hatte Glück, mit so guten Musikern zu spielen. Mit diesen Leuten in einem Raum zu sein, ist ein Privileg. Ich bin da durchaus auch sentimental.

John Garcia  plays KYUSSDu hast die Fans gefragt, was sie von den Kyuss-Songs hören wollen. Wie zufrieden bist Du mit der Auswahl?

An sich gefällt mir die Auswahl sehr gut, wobei ich mit „Demon Cleaner“ ein Problem hatte. Die Band sagte, „Hey, wir machen das“, ich habe mir das von denen angehört und es war besser als auf der Platte! Und dann habe ich mich breitschlagen lassen, weil ich letztlich auch nur ein Teil der ganzen Sache bin.

Ja, und was hattest Du für ein Problem mit dem Song? Wir haben uns nach Deinem Konzert in Köln gefragt, warum genau dieses Lied nicht kam.

Hey, heute werde ich es für Euch spielen, nur für Euch! Aber Spaß beiseite, dieses Lied war schon früher nicht auf unserer Standard-Setlist. Zum einen ist es in einer vergleichsweise tiefen unaufgeregten Tonlage gehalten und geht gesangsmäßig nicht richtig ab, zum anderen ist es auch einfach schwer zu singen.  Ich weiß noch, als wir das Lied in Sound City in Van Nuys [Kalifornien] aufgenommen haben, da hatte ich 14 Stunden gebraucht, dieses Stück einzusingen. Ich mußte es immer und immer wieder singen, dann haben wir es schlußendlich zusammengebastelt.

Du bist für viele der Liedtitel von Kyuss verantwortlich. Einige davon sind richtig schräg, wie zum Beispiel „Supa Scoopa And Mighty Scoop“, „Thee Ol' Boozeroony“, „Jumbo Blimp Jumbo“ und „Tangy Zizzle“. Wie kamen die zustande?

[lacht] Das war Teil des Spiels in Kyuss. Es gab keine Regeln. Wir sind in einer Gegend aufgewachsen, in der Du von allem abgeschnitten bist, obwohl Du nur zwei Stunden von L.A. oder San Diego entfernt wohnst. Wir waren Kids und sind dort großgeworden, völlig isoliert, da kommt Dir so ein verrückter Kram in den Sinn. Nehmen wir zum Beispiel „One Inch Man“. Ich war mit einem guten Kumpel an einem See fischen. Wir haben ein bißchen Gras geraucht und da waren diese kleinen Wellen, die ans Ufer des Sees kamen und wir haben über diesen winzigen Kerl geredet, der darauf surft und da war er, der „One Inch Man“. Es ist einfach dummes Zeug, das Dir in den Sinn kommt, wenn Du in so einer Gegend aufwächst

Ok, und wie denkst Du darüber, daß Ihr dann mit Kyuss ein neues Genre gegründet habt?

Das ist fein, aber als wir es gemacht haben, haben wir einfach getan, was uns in den Sinn kam. Wir haben nicht geplant die Rockmusik komplett zu ändern oder ein Genre zu erfinden.

Aber dann kam es so.

Ich weiß nicht. Ich denke nicht so intensiv darüber nach. Josh hat da vielleicht eine ganz andere Antwort. Aber für mich ist das alles halb so wild. Da kommen zum Beispiel viele Leute zu uns in die Wüste und sagen „Wow, die Wüste ist so wundervoll, so geheimnisvoll…“ und ich denke mir „was zum Teufel redet ihr da? Das ist einfach nur die verdammte Wüste“. Ich werfe mir kein Peyote ein, denke ich wäre Jim Morrison, erzähle Gedichte und rede über Schamanismus oder so einen Kram. Für mich ist das alles nicht so kompliziert. Ich bin ein gelassener, einfach gestrickter und unkomplizierter Typ.

Ok, es war so: Ich liebe Ian Astbury [Sänger von The Cult]. Als ich aufgewachsen bin, wollte ich so sein wie er. Er war mein Idol. Dann waren da diese vier Typen mit denen ich Musik machen konnte. Als ich angefangen habe zu singen, kam Brant [Bjork] mit dem Lied „Communion Youth“ und sagte „Hier ist ein Text, sing ihn einfach“. Er hat gespielt und ich habe den Text gleich rausgehauen wie ein Maschinengewehr, doch Brant sagte „nein, nein, sing ihn nicht so“ und sang mir eine passende Melodie vor. Da hat es bei mir Klick gemacht und ich habe verstanden, daß Du über einer ziemlichen Heavy-Grundlage eine gute Melodie draufsetzen kannst und das kann prima funktionieren. Für mich ging es dann immer um die Melodie. Ich habe überhaupt keine Ahnung wie man ein neues Genre gründet. Ich habe das alles einfach gemacht, ich habe es mir zugetraut und hatte Bock darauf und wußte nicht wirklich wie es geht. Im Grunde wußte ich auch nicht wie man singt und hatte vor dem ersten Gig richtig die Hosen voll. Ich habe mit dem Rücken zum Publikum gesungen, weil ich mich so geschämt habe und dachte „oh, guckt mich bloß nicht an“. Mit mehr und mehr Gigs bekam ich immer mehr Selbstvertrauen und dann hat es geklappt. So einfach war das Ganze aus meiner Perspektive. Ich wollte singen… und wie Ian Astbury sein. Das ist im Grunde immer noch so und ich schäme mich kein bißchen dafür. Das ist meine kitschige Version der Geschichte, wie das alles kam. ;-)

Du sagst Ian Astbury war dein Idol. Hattest Du irgendwelche andere musikalischen Vorbilder?

Bands, die wirklich einen Einfluß auf mich hatten waren The Cult, Death Cult, The Southern Death Cult, The Misfits, Glen Danzig. Das sind die höchsten im meiner persönlichen Rangliste. Ich habe mir als Teenager Led Zeppelin angehört, The Smiths, Tom Petty And The Heartbreakers und, glaubt es oder nicht, auch Earth, Wind And Fire. Wenn du ein gemeinsames Zimmer mit deinem Bruder hast und er Earth, Wind, And Fire hört und im anderem Raum spielt Deine Schwester Pink Floyds „The Wall“, dann hast Du einfach keine Wahl und mir hat der Kram gefallen. Hör Dir ein Lied wie „September“ an, das von Maurice White, Philip Bailey und den anderen Typen in Earth, Wind And Fire geschrieben wurde. Es ist ein phantastisches Lied. Es geht immer um die Melodie und es gibt Dir ein Gefühl. Das ist das Kernstück. Wenn mir ein Lied ein Gefühl gibt, dann ist es mir scheißegal, welche Band das ist. Es könnte Mary Poppins sein, Mötley Crue oder Poison. Mir ist das völlig egal. Wenn es dir ein Gefühl gibt, dann ist es ok. Manchmal wirst du gefragt, was du heimlich hörst und wofür du dich am meisten schämst. Ich kenne sowas nicht. Ich höre mir Earth, Wind And Fire an, The Ohio Players, Johnny Taylor. Fuck, ich bin ein riesiger Fan von Adam Levine von Maroon 5. Er gibt mir ein Gefühl. Wenn ich zurück zu Hause sein werde und die Kids aus dem Haus sind, dann schiebe ich Maroon 5 rein und habe ein romantisches Abendessen mit meiner Frau. Das gibt mir ein Gefühl. Das nächste Mal wenn ich Maroon 5 auflege, sei es Songs „About Jane“ oder „It Won’t Be Soon Before Long“, dann wird es mich an die Zeit mit meiner Frau erinnern. Es bringt mich zurück und gibt das Gefühl wieder, das ich hatte, als ich mit meiner Frau zusammen war. Von diesem Punkt an, wird mir die Platte immer ein Gefühl geben. Jedesmal wenn ich mir „September“ anhöre, dann werde ich an meinen Bruder erinnert, an meinen Vater und dann kommen die Gefühle wieder.

Was ist mit Hermano los? Ist das Projekt tot?

Nein, da ist im Moment nur ein bißchen Leerlauf. Das köchelt einfach nur auf kleiner Flamme. Ich finde die Jungs alle klasse und ich vermisse Dandy [Brown, am Baß] ganz besonders. Er hat uns alle in Hermano zusammengebracht und ist ein verrückter Typ.

Du wirst also in naher Zukunft mit Garcia vs. Garcia aktiv sein und auch mit Hermano. Wird es neues Material, wie zum Beispiel eine DVD geben oder ähnliches?

Nein. Das einzige, an dem ich aktuell arbeite, ist das Garcia vs. Garcia Projekt in Gang zu bekommen und es zu promoten.

Wie fühlt es sich an in Europa? Ist es ein besonderes Gefühl hier zu sein?

Oh ja. In Europa hat man schon immer positiver auf die Art von Musik reagiert, die ich mache. Hier sind die Kids nicht so beschäftigt damit, Dave Grohls Schwanz zu lutschen, wenn ihr versteht, was ich meine. Ich würde mir auch nie eine Scheibe von Foo Fighters kaufen. Zwar ist nicht alles schlecht, was er macht, aber…

Es gibt Momente im Leben, wo man sich um Kopf und Kragen reden kann und da ist es für den Künstler besser, wenn der Tourmanager reinschneit und das Interview abrupt beendet, nachdem er 90 Sekunden vorher gesagt hat, daß man noch zwei Minuten hätte. Wir sind jedenfalls gespannt auf die weitere Entwicklung im Hause Garcia.

 


Garcia plays Kyuss, Brant Bjork, Scoff
05.06.2010 – Backstage, München
Eintritt: 20,00 EUR

Das ausverkaufte Backstage ist bis auf den letzten Platz gefüllt und die Stimmung bei 25 Grad im Schatten genauso gut wie erwartungsfroh. Leider erfolgte der Einlaß zuvor im Schneckentempo, so daß wir von der ersten Band Scoff so gut wie nichts mitbekamen. Die Münchner Jungs passen jedoch von ihrer Ausrichtung her perfekt in den Stoner Rock Abend hinein. Vor Garcia plays Kyuss tritt der Bandkollege aus alten Kyuss-Tagen, Brant Bjork, mit seinen Bros auf. Er spielt leider nur ein kurzes Set mit 5 Liedern, macht mit der Auswahl aus verschiedenen Songs seiner Platten aber alles richtig und treibt die Temperatur noch deutlich höher. Bei mittlerweile 30 Grad kommen Garcia plays Kyuss auf die Bühne, das heißt erst Bruno Fevery (Gitarre), Jacques de Haard (Bass) und Rob Snijders (Schlagzeug), um mit „Molten Universe“ ein Instrumental zum Besten zu geben, das die Spannung ins Unerträgliche steigert und ein intensives Kyuss-Feeling aufkommen läßt. Dann kommt „Thumb“, John Garcia auf die Bühne und der Wahnsinn ins Publikum. Garcia plays Kyuss spielen eine Auswahl vom Allerfeinsten, was das Stoner Rock-Herz sich wünscht. Der Saal tobt bei allen Liedern. Die Qualität, mit der die Kyuss-Klassiker abgeliefert werden, ist auch bei hohen Erwartungen als unglaublich gut zu werten. Hier braucht es auch keine ausgefeilte Bühnenshow; die Songs krachen auch so. Man weiß am Ende des Konzerts nicht, ob man froh sein soll, daß man bei gefühlten (und gespielten) 100 Degrees es ohne Kreislaufkollaps überstanden hat, oder ob man heulen soll, weil diese geniale Band sich aufgelöst hat. Es war in jedem Fall eines der Konzerte, an das man sich lange erinnern wird.


Band-Hompages:
www.myspace.com/garciavsgarcia

www.brantbjork.com
www.myspace.com/scoffrocks

Interview & Texte: Ralf Schulze, Nico Sander

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