Halestorm

Ungewöhnlicher kann eine Karriere im Rock Business heutzutage eigentlich nicht verlaufen, als die von der jungen, charismatischen Newcomer Hard Rock Truppe Halestorm aus Pennsylvania, USA. Basierend auf dem Nachnamen der Geschwister Lzzy Hale (Vocals) und Arejay Hale (Drums), zeigte sich bei dem anfänglichen Kiddy-Duo Halestorm bereits im frühen Alter von 13 und 10 Jahren, der Hang und Drang zum Hard Rock. Wie sich alles bis zum gerade erst erschienenen Debutalbum entwickelte, erfuhren wir von der nettesten Band der Welt, nach ihrem grandiosen Auftritt bei Rock im Park, bei einem kuscheligen Gespräch…
Hallo Leute, schön Euch geschlossen anzutreffen. Die Show war wieder fantastisch und genau so energiegeladen, wie die in Stuttgart neulich, wo Ihr als Support von Theory Of A Deadman gespielt hattet (wir berichteten im H|T|M #10)…
Lzzy: Vielen herzlichen Dank! Wir freuen uns, daß es Dir so gut gefallen hat!
Und wie! Ich war so überschwenglich, daß ich behauptete, es sei die powervollste Live Show des Jahres gewesen… doch was mich schon wunderte, war die Tatsache, daß Ihr als erste Supportband mit gerade mal 30 Minuten Spielzeit aufgetreten seid, während die zweite Band, Heaven´s Basement, mit 45 Minuten noch nicht mal einen Plattendeal haben…?
Arejay: Ja, das stimmt. Die hatten wohl irgendeine Abmachung mit T.O.A.D. getroffen, aber das war uns ehrlich gesagt auch egal.
Josh: Die Jungs sind cool und echt gute Musiker. Wir haben uns trotzdem gefreut zu spielen. Wir sind immer dankbar, wenn wir spielen können.
Lzzy: Weißt Du, wir sind gerade noch am Anfang. Wir setzen einen Fuß vor den anderen. Bei uns geht alles immer etwas langsamer…
Du meinst, so wie bei Jack Daniels? ;-)
Lzzy: Ja genau! Hehe!!
Wobei Euer Popularitätszuwachs bislang alles andere als “langsam” zu bezeichnen ist – oder sagen wir es so: Ihr seid auf äußerst ungewöhnlichem Wege zu relativ großer Aufmerksamkeit gelangt: 2005 ein Vertrag mit dem amerikanischen Label Atlantic Records, danach erst einmal auf Tour, ohne ein Album aufgenommen zu haben! Um etwas in Händen halten zu können, wurde einer Eurer Auftritte mitgeschnitten und ein paar Songs davon auf eine (Achtung!) Live-EP gepackt. Mit der seid Ihr dann fast fünf Jahre herum getingelt - mit nur einer Live-EP??
Lzzy: Exakt. Wir hatten den Deal auch quasi während einer Live Show angeboten bekommen. Die EP, die kurz danach live recorded wurde, ist das Dokument des unglaublichen Vertrauens unserer damaligen Plattenfirma in uns, wofür wir ihnen immer dankbar sein werden. Wir hatten zwar ein paar Demos gemacht, aber mit sehr armseligen Mitteln und noch übleren Sound, also mußte etwas her, was besser klingt. Und da auf der EP genau das zu hören ist, was wir schon immer am allerbesten konnten – nämlich live spielen – hat das Ganze auch funktioniert. Alle Leute, die uns seit jeher unterstützt haben, zu unseren Konzerten kamen und uns auch ohne Studioalbum die Treue hielten, sind dafür verantwortlich, daß wir nun endlich doch noch soweit kamen, unser Debutalbum aufzunehmen. Wir verdanken ihnen alles, was wir sind!
Ihr hattet auch die Möglichkeit bekommen, Euch im Land bemerkbar zu machen…

Lzzy: Ja, unsere erste große Tour durch halb Amerika war 2006 mit Snow Patrol. Danach folgten Tourneen mit Bands wie Shinedown und Seether. Wir sind schon verdammt viel rumgekommen seit dem! Es wurden wohl insgesamt so um die 1.000 Shows. ;-)
Ach du meine Güte! Und welche Songs habt Ihr da gespielt? Auch schon welche, die man jetzt auf der Scheibe hören kann?
Lzzy: Es waren fast ausschließlich andere, ältere Songs, bis auf einen… und der ist jetzt der Opener unseres Debutalbums und heißt „It´s Not You“. Er dürfte wohl so sechs, sieben Jahre oder auch mehr auf dem Buckel haben. Aber wir dachten, es ist an der Zeit für ihn, in neuem Glanze zu erstrahlen! ;-)
Euer Album wurde erst Ende Mai hier in Deutschland veröffentlicht, während es aber schon fast ein ganzes Jahr in Amerika erhältlich ist. Wie erklärt Ihr Euch das?
Joe: Warum das so ist, weiß ich nicht, aber wir sind wahnsinnig happy und froh, daß es den Weg über den großen Teich geschafft hat und nun auch bei Euch erhältlich ist. Wie Lzzy schon sagte, bei uns dauert eben alles immer etwas länger, hehe.
Arejay: Alles paßt aber auch so, wie es gelaufen ist. Wir sind vor dem Europa-Release für insgesamt fünf Shows in Deutschland gewesen und zwar in Köln, Stuttgart, Hamburg, München und Frankfurt. Und es war einfach spitzenmäßig! Wir hatten so ein tolles Publikum, das uns abfeierte und mitging, es war atemberaubend!
Lzzy: Und auch heute war es wieder unglaublich, daß doch so viele Menschen um diese Uhrzeit [13:30 – 14:00 Centerstage] bei was weiß ich wie vielen hundert Grad Hitze dastanden und mit uns abrockten… sie geben uns so viel Kraft mit ihrer Leidenschaft und Hingabe, daß es nicht einfach so ist, daß wir auf der Bühne stehen und spielen und die Zuschauer unten und zuhören… es ist das Geben und Nehmen, daß uns aufblühen läßt, wofür wir den Menschen hier so dankbar sind.
Nun, das liegt erstmal an Euch, Leute! Ihr habt die kostbare Gabe, Euer tolles Liedgut mit den hammermäßigen Refrains von der ersten Sekunde an auch visuell umzusetzen und das eben mit ca. 500% mehr Power, als die meisten anderen guten Bands. Die Songs treffen einen damit wie.. wie ein „Storm“!
[Alle schreien auf] Aaahhhh!!!! You got it!! Das ist ja der beste Spruch überhaupt!! ;-)))
Kaum ausgesprochen, hab ich´s auch kapiert, was ich gerade gesagt habe! Hahaha!!! Tja, scheint, als wäre der Bandname tatsächlich Programm… Kommen wir zurück zu Eurem Album. Wie alt sind die Songs im Durchschnitt, die es nun auf die Platte geschafft haben?
Lzzy: Nun, wir sind mit ungefähr 420 Songs an die Produktion herangegangen…
Wie bitte??? 420 Songs????

Lzzy: Ja, es waren nicht alles komplette Songs, sondern auch viele Baustellen und massig Bruchteile dabei. Die mußten wir dann erstmal auf 15 Songs herunter kürzen, um dann nochmal auszusieben für die tatsächlich aufgenommenen elf Lieder. Wir wollten sichergehen, daß wir das beste Material ausgesucht hatten und bastelten und feilten noch sehr lange an den letztendlichen Stücken, bis wir uns zurücklehnen und zufrieden sagen konnten: „Das ist es. So machen wir´s. Laßt uns die Platte so in die Welt hinausschicken und sehen was passiert.“ So gesehen sind aus vielen angesammelten Teilen brandneue Songs entstanden und bis auf „It´s Not You“ ist nur noch „Familiar Taste Of Poison“ aus derselben Kompositions-Ära mit enthalten. Diese beiden werden wir wohl nie mehr anderweitig verwenden! Das ist jetzt mal genug. ;-)
Ich hatte gelesen, daß Euer Dad [Arejays und Lzzys] früher bei Euch Bass gespielt hat…
Lzzy: Ja, ganz am Anfang, als wir loslegen wollten, war es ziemlich schwierig, Kinder in unserem Alter mit dem selben Drive und der selben elterlichen Unterstützung für eine Rockband zu finden. Ich meine, unsere Eltern sind einfach vollkommen verrückt! Wo findest du das auf der Welt, daß die Eltern zu ihren zehn- und 13jährigen Kindern sagen, „Ihr wollt eine Rockband gründen? Ok, macht das, wir stehen hinter Euch zu 100%!“? So kam es, daß wir nach einigen Monaten unseren Dad fragten, ob er vielleicht Lust hätte, unsere Songs einzustudieren, damit wir größere Auftritte spielen konnten, als bei Geburtstagsfeiern. Und er sagte zu. Das sah natürlich ziemlich witzig aus, aber dann fanden wir glücklicherweise die anderen beiden hier [deutet auf Josh, Bass und Joe, Gitarre neben ihr auf dem Sofa]. Sie hatten auch schon mit 13 zusammen in einer Band gespielt und waren somit die Idealbesetzung.
Das klingt ja direkt nach Karma.
Lzzy: Das hatten wir auch im Sinn, nachdem wir unseren ersten Gig zusammen gespielt hatten und es in allen Aspekten richtig gefunkt hat zwischen uns. Darüber hinaus wies uns eines Tages ein Bekannter, der sich mit Numerologie und solchen Dingen beschäftigt, noch darauf hin, unsere Geburtsdaten zu vergleichen, wobei wir herausfanden, daß mein Geburtstag der 10.10., Arejays der 05.05. ist, Josh hat am 22.02. und Joe am 04.04., was schon fast mystisch ist! Ich kenn´ mich ja mit solchen Dingen überhaupt nicht aus und bin auch nicht abergläubisch, aber irgendeine positive Verbindung scheint vorhanden zu sein. Wie auch immer, es funktioniert perfekt und wir sind froh, daß wir uns alle haben! ;-)
Und ist Euer Dad noch immer auf irgendeine Weise mit der Band verbunden?
Lzzy: Er hatte Schichtdienst in einer Fabrik und ist vor kurzem in Rente gegangen. Wir haben ihn angeheuert und jetzt fährt er unseren Bus ;-). Er hat jetzt zwar wieder die Friedhofsschicht, aber er ist damit ständig in unserer Nähe, was sehr schön ist. Es ist natürlich schon lustig, deine Eltern für dich arbeiten zu sehen und du ihnen sagst, was sie tun sollen, hehe… der Spieß wurde sozusagen umgedreht. Weißt Du, sie hatten damals viel aufgegeben, um uns beiden unseren Traum zu ermöglichen und jetzt sind wir in der Lage, sie zu unterstützen. Außerdem können sie sich zurücklehnen und stolz sagen, „ich hab´s ja gewußt, daß aus den beiden was wird, der Aufwand hat sich gelohnt!“
Die Geschichte klingt fast wie ein Märchen. Woher nehmt Ihr Eure Einflüsse? Ihr habt diesen frischen unverbrauchten Style, der aber dennoch Hard Rock ist, was ja eigentlich nicht zu den modernen Stilen zu zählen ist.

Arejay: Wir wuchsen mit der Musik unserer Eltern auf, aber wir haben sie natürlich anders interpretiert als sie. Wir waren eine andere Generation und dennoch hat uns die Musik enorm beeinflußt und geprägt.
Lzzy: Wir hörten damals sehr viel Classic Rock. Mittlerweile reicht unser Spektrum von Bluegrass bis Heavy Metal. Da ist z.B. diese junge Bluegrass-Band namens Old Crow Medicine Show, die von Geschichten ihrer Großväter singt, was großartig ist. Aber auch Lamb Of God finden wir toll.
Also auch durchaus die richtig harte Ecke?
Arejay: Ja, absolut. Jede Art von Musik mit spürbarer Leidenschaft kann uns gefallen.
Und was hat Dich als Sängerin am meisten beflügelt, so zu singen, wie Du es jetzt tust?
Lzzy: Vor allem hatte ich immer männliche Sänger als Vorbild. Kennst Du noch die Hair Metal Band Kix aus den Achtzigern?
Ja, die kenn´ ich!
Lzzy: Die Jungs hatten ein paar großartige Songs in den Spät-80ern, leben an der Ostküste und sind auch immer noch unterwegs. Ich hatte 1,5 Jahre Gesangs-Unterricht bei deren Leadsinger [Steve Whiteman] und er brachte mir unglaublich viel bei. Er lehrte mich erst, richtig zu atmen, meine Stimme richtig zu nutzen und meine Range zu erkennen, was ich bis dato alles nicht wußte. Ich bin sehr dankbar für all die Bands und die Menschen, die uns auf unserem Weg so beeinflußten und uns unterstützt haben. Ohne sie hätten wir sicher nie das erreicht, was wir heute haben.
Ein schöneres Schlußwort gibt es nicht. ;-)
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