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Mon, May 21, 12
Interviews Nevermore

Nevermore

Nevermore - Wahre Sprüche aus der Gerüchteküche

Die Metal-Walze aus Seattle rollt endlich, nach fünf langen Jahren des Wartens, mit ihrem neuen wie genialen Geniestreich „The Obsidian Conspiracy“ über den headbangenden Globus.  Seit der Gründung von Nevermore, mit Warrel Dane am Gesang, Jim Shepherd am Bass, Jeff Loomis an der Gitarre und Van Williams am Schlagzeug, die anno 1995 nach dem Aus der Gruppe Sanctuary stattfand, verdiente sich der Ausnahme-Vierer mit seinen sechs grandiosen Alben und damit Meilensteinen des metallischen Horizonts in komplett neu erschaffenem Soundgewand, den Aufstieg in den Metal-Olymp. Nach dem neuesten Album wird ihnen dieser Platz wohl weiterhin sicher sein. Sänger Warrel Dane, mit dem ich bereits einige sehr denkwürdige, urkomische Momente erleben durfte, plauderte über das neue Album, außerordentlich freudige Zukunftspläne und so manche Erinnerungen…

Hey Warrel, was macht das Leben, nachdem Frank Sinatra immer noch tot ist? ;-)

[lacht] Oh Max, es macht immer noch Spaß, wenngleich es nicht mehr dasselbe ist ohne Ol´ Blue Eyes! ;-)

Kannst Du Dich noch dran erinnern, als wir 1998 das kurz vor unserem Treffen verkündete Ableben von Frank in unserer ganz eigenen Manier betrauert hatten?

Absolut… war unser Begleiter! Hehehe!!! [gemeint ist Absolut Vodka, unser damals beider Lieblingsgetränk, wie wir feststellten]

Es war Winter und wir saßen vor der Location in Gunzendorf [bei Bamberg] in einem alten Opel Corsa von zwei verrückten Nevermore-Fans, von denen Du den Schlüssel geborgt hattest, da Du mir vier brandneue Songs des bevorstehenden Albums „Dreaming Neon Black“ vorspielen wolltest – auf Cassette wohlgemerkt!!

Richtig. Ich glaube, es waren „Beyond Within“, „Dreaming Neon Black“,  „No More Will“ und… was war der Vierte?

Es war „Poison Godmachine“. Wir saßen mit unserem Plastikbecher Absolut im eiskalten Auto, hörten die angemixten Songs in Schleife und machten uns einen Spaß dabei, vorbeilaufende Mädels zu veräppeln… hehe!!

Nevermore

Oh mein Gott, ist das lange her! Aber „Dreaming Neon Black“ ist immer noch mein persönliches Lieblingsalbum von Nevermore.

Obwohl sich die Meisten sowohl aus Presse als auch Publikum in Sachen bestes Nevermore-Album auf „Dead Heart In A Dead World“ eingeschossen haben.

Ja, ich weiß, das ist ja auch vollkommen in Ordnung. Ich muß ja damit nicht übereinstimmen, obwohl auch diese Scheibe schon sehr gut geworden ist… ;-)

Die neue „The Obsidian Conspiracy“ ebenso, wenn ich da meinem eigenen Review Glauben schenken darf, in dem sie zehn volle Punkte erhielt! ;-)  Warum hat es denn fünf Jahre gedauert, bis dieses Werk endlich eingespielt wurde?

Wir hatten vorher keine Zeit. Nach dem Erfolg mit „This Godless Endeaver“ [u.a. mit einem Einstieg in die deutschen Charts auf Platz 26!] sind wir ganze zwei Jahre auf Tour gewesen. Dabei wurde dann auch die DVD [„Year Of The Voyager“] aufgenommen und anschließend herausgebracht. Jeff und ich waren danach mit unserem jeweils ersten Soloalbum beschäftigt, welche beide [Jeffs „Zero Order Phase“ und Warrels „Praises To The War Machine“] in 2008 veröffentlicht wurden. Und nach einem längst verdienten Urlaub ging es auch schon wieder ans Songwriting zur neuen Nevermore-Platte. Du siehst also, so lange, ohne etwas von uns zu hören, mußten die Fans eigentlich gar nicht warten.

Stimmt auch wieder. Wie steht es denn nun mit der Besetzung des zweiten Gitarrenpostens? Der war ja schon immer etwas wackelig und wurde deshalb öfter neu besetzt. Aber jetzt hörte ich von Axtschwinger Attila Voros, der im Mai als Euer Tourgitarrist angekündigt wurde. Was meinst Du, könnte er vielleicht ein heißer Kandidat für den Posten sein?

Mal sehen… ich habe ja sehr gute Erfahrungen mit ihm durch die Zusammenarbeit bei meinem Soloalbum machen können. Wenn die Tour mit ihm gut laufen sollte und Jeff ebenso überzeugt ist, wäre das durchaus denkbar und auch wünschenswert.

Ich wünsch es Euch jedenfalls auch, daß es klappt. Kommen wir nochmal auf Eure zweijährige Tour zurück. Versteh mich bitte nicht falsch, aber Ihr seid ja nun alle nicht mehr 20… wie anstrengend war dieser Marathon denn für Euch?

Eigentlich überhaupt nicht… ich mach das jetzt schon so lange und bin daran gewöhnt, ständig irgendwo anders in der Welt auf einer Bühne zu stehen. Noch sind wir alle nicht müde zu touren. Und 20 möchte ich bei Leibe nicht mehr sein! Ich war total durchgeknallt, als ich 20 war, haha! Was man an Jahren verliert, gewinnt man an Perspektive.

Gab es irgendwelche besonderen Erfahrungen, die Du in dieser Zeit machen konntest?

Es gibt immer Erfahrungen, die man macht, wenn man auf Tour ist. Das Leben ist voll von Erfahrungen… ich könnte Dir z.B. zu jedem einzelnen Song, den ich jemals aufgenommen habe, sagen, wo ich mich gerade befand und was um mich herum Interessantes oder Witziges passiert ist. Wenn man älter wird, stapeln sich solche Erfahrungen und Erinnerungen und es geht mir immer noch so. I´m a lucky guy! ;-)

Nevermore

Erzähl mir doch etwas von Eurem neuen Video zu „Emptiness Unobstructed“.

Wir haben in Dover, England bei den White Cliffs gedreht. Ich mußte drei Stunden lang am Rande einer Klippe stehen, was gegen Ende langsam ein mulmiges Gefühl und zittrige Knie bei mir verursachte. Ich leide zwar nicht unter Höhenangst, aber über eine Klippe in die Tiefe schauen, macht mir schon ein wenig Bammel. Und das besonders bei diesem Lied… es handelt von jemandem, den wir alle sehr gut kannten und der Selbstmord begangen hatte. Nachdem bei ihm Schizophrenie diagnostiziert wurde, kam er eines Tages ins Büro, in dem er gearbeitet hatte, schlug in einem unkontrollierten Wutanfall alle Computer kaputt und sprang anschließend aus dem Fenster des Bürogebäudes. Keiner weiß den Grund dafür. Den Song habe ich für seine Mutter geschrieben, um ihr etwas zu geben, womit sie sich vielleicht zumindest ein bißchen besser fühlen kann. Er hat eine sehr positive Message. Als ich hörte, daß Nigel Crane, der Regisseur des Videos, schon mit Muse gearbeitet hatte, war ich ganz besonders aufgeregt… denn ich liebe Muse! Ist das nicht seltsam, daß viele Metal-Musiker auf Muse stehen? Wieder so eine Kuriosität des Lebens…

Das stimmt wohl… aber da kannst Du auch Björk oder Tori Amos aufzählen, die gerade bei Metal-Musikanten als wahre Perlen gehandelt werden… und ganz besonders von mir selbst! ;-o)

Ja, da pflichte ich Dir gerne bei. Weißt Du was ich zur Zeit auch richtig scharf finde? Miley Cyrus! Ich weiß, ich weiß… ich bin verrückt und der Song „Can´t Be Tamed“ klingt wie ein billiger Brittney Spears-Verschnitt. Aber im Video dazu ist sie so heiß, daß ich mich schon fast schäme, sie heiß zu finden… sie ist ja erst 17. Und ich muß mich schon sehr wundern, wie zur Hölle ihre Eltern es zulassen konnten, sie halbnackt in diesem Video herum hüpfen zu lassen… denn sie sieht darin aus wie eine Schlampe! Hehehe!!

Muse, Miley Cyrus… was kommt denn noch?

Du wärst wahrscheinlich geschockt von meiner CD-Kollektion! Eine meiner schuldig bekennenden Sünden ist auch Amy Winehouse. Wahrscheinlich deshalb weil sie aussieht wie ein totales Wrack und singt wie eine Whiskey-Hure aus der Hölle, hahaha!! Man muß sich als Musiker einfach verschiedene Mucke anhören, um immer wieder neue Eindrücke sammeln und so auch Energie tanken zu können.

Und diese Energie brauchst Du sicher auch für die kommenden Pläne… wie sehen diese aus?

Ich werde eine zweite Soloplatte aufnehmen. Die Songs sind fast alle schon fertig komponiert und sind wirklich sehr gut geworden! „Praises…“ war eher rock´n rolliger Metal und die kommende Scheibe wird ein bißchen härter ausfallen… ich würde sagen, sie ist eher Thrash Metal geworden.

Tatsächlich? Hört sich verdammt spannend an! Wann wird man sich die CD kaufen können?

Keine Ahnung. Ich weiß noch nicht mal, wann ich sie aufnehmen soll, denn Nevermore hat natürlich absolute Priorität, läßt mir in der nächsten Zeit aber wahrscheinlich keinen Freiraum, in dem ich das bewerkstelligen könnte… aber irgendwann kommt die Gelegenheit schon ;-). Es wird ja auch ein neues Sanctuary Album geben.

Nevermore

Haha, sehr lustig… Du machst doch Witze?

Nein. Ich mache keine Witze. Dave [Budbill], Lenny [Rutledge], Jim und ich haben uns kürzlich wieder angefreundet. Unser Split war damals ziemlich häßlich und wir hatten uns viele Jahre gegenseitig nicht mehr ausstehen können. Ich sagte damals, ich werde niemals mehr mit diesen Menschen zusammen Musik machen. Aber man wird älter und weiser und nachdem wir uns getroffen hatten, war jeder von uns überzeugt, daß jetzt der richtige Zeitpunkt  ist, um die Sache nochmal ins Rollen zu bringen. Ich weiß noch nicht, ob es eine Tour geben wird, aber definitiv ein neues Album!

Wow! Das sind wirklich Metalwelt-bewegende Nachrichten!!

Deshalb werde ich jetzt auch wieder Gesangsunterricht nehmen.

Du wirst was?? Du weißt schon, wie seltsam das aus Deinem Munde klingt, oder?

Wieso?

Äh… weil Du so etwas wie ein Sangesgott im Metal bist und Dich irrsinnig viele Sänger als Idol haben und überhaupt…!

Das ist schmeichelhaft, aber man muß sich von Zeit zu Zeit einem gewissen Training unterziehen, sonst gerät man schneller aus der Spur, als man meinen könnte. Das ist vollkommen unabhängig davon, wie oft du live spielst oder im Studio aufnimmst… die Stimme braucht korrektes Training ganz nach Lehrbuch, um als Sänger nicht nach und nach abzudriften und Gefahr zu laufen, sie durch falsche Technik zu ruinieren. Ich mache das schon seit Jahren routinemäßig in gewissen Abständen. Und glaube mir, ich brauche diese Stunden! Ich werde mit meiner Gesangslehrerin besonders hart daran arbeiten müssen, bevor ich dazu bereit sein werde, die neue Sanctuary-Platte einzusingen. Lenny hat bereits ein paar phantastische Songs komponiert.

Was, fertige Songs gibt es auch schon? Wie werden sich diese 20 Jahre nach Auflösung der Band anhören?

Ich würde sagen, sie sind eine frische Version aus unseren damaligen Alben „Into The Mirror Black“ und „Refuge Denied“. Natürlich nicht zu vergleichen mit Nevermore, denn Nevermore-Songs sind viel moderner und aggressiver.

Und Du hast dann folglicherweise vor, wieder so zu singen, wie zu damaligen Zeiten – oder wie Du es selbst mal ausgedrückt hast: Wie Rob Halford auf Helium!? Hehe!

Das ist der Grund, warum ich Gesangsstunden nehmen werde! ;-o) Aber ich kann Dir schon sagen, daß ich den Song „Battle Angels“ [von „Refuge Denied“] noch singen kann… ich hab nämlich geübt! ;-)

Und wann wird das Projekt starten?

Es ist kein Projekt. Es war damals eine Band und wird es wieder sein. Ich kann aber noch nicht genau sagen, wann wir ins Studio gehen werden. Da verhält es sich ebenso, wie mit meinem Soloalbum… es kommt drauf an, wie sich die Dinge mit Nevermore entwickeln und wieviel Freiraum sie dafür lassen. Aber auch hier gilt: Die Zeit wird kommen, um alle Pläne umzusetzen. Es können sich jedenfalls alle unsere Fans schon darauf freuen, in naher Zukunft aus dem Nevermore-Universum mannigfaltig beschallt zu werden.

Doch zuerst starten Nevermore in ihre Headliner-Tour im November diesen Jahres, mit zwei von Warrels absoluten Lieblingsbands im Vorprogramm, die er mir sehr gerne verraten hätte, doch leider noch nicht durfte… aber keine Angst, es sind weder Muse noch Miley Cyrus! ;o)


Band-Homepage: www.myspace.com/nevermorefans
Interview & Text: Max

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