Soilwork

Fünf Jahre sind vergangen, seit die Schweden-Happen das letzte Album mit dem zwischenzeitlich an anderen Projekten arbeitenden Peter Wichers veröffentlicht haben. Fünf Jahre, in denen mit „Sworn To A Great Divine“ lediglich ein Album veröffentlicht wurde, das nicht ganz mit den früheren Meisterwerken mithalten konnte. Nun ist Peter zurück und hat die songwriterischen Zügel wieder fest in der Hand. Ob es sich auch auf die Qualität der Songs ausgewirkt hat, die auf „The Panic Broadcast“ zu entdecken sind, haben wir im Folgenden mit Peter am Telefon eruiert.
Als ich die neue Scheibe „The Panic Broadcast“ zum ersten Mal gehört habe, war ich ziemlich überrascht, wie hart und aggressiv sie geworden ist, auch im Vergleich zur letzten Platte, bei der Du ja nicht involviert warst. Nun stellt sich mir die Frage, was Du die letzten fünf Jahre gemacht hast, um eine solche Wut mit zurück zu Soilwork zu bringen...
Haha – ich fasse das mal als Kompliment auf. Als ich die Band damals verlassen habe, war ein Grund, daß ich mich kreativ etwas weiter ausleben wollte. Bei einer Band wie Soilwork ist man an einen bestimmten Sound gebunden und man kann die Grenzen nicht allzuweit dehnen, um nicht zu riskieren, den Stil der Band zu sehr zu verfremden. Als sich mir dann die Möglichkeit geboten hatte, zurück zu kommen, war ich weitgehend fertig mit dem Austoben. Ich hatte das Gefühl, mich in dieser Hinsicht genug ausgelebt zu haben. Als wir dann begannen, uns über die Marschrichtung für die nächste Scheibe zu unterhalten, sind wir zu dem Schuß gekommen, daß es keinen Sinn macht, darauf zu hoffen, irgendwann einen Song zu schreiben, mit dem wir Radio-Airplay oder Ähnliches bekommen würden, weil das wahrscheinlich niemals passieren wird. Deshalb haben wir einfach das aufgenommen, was uns spontan in den Sinn kam und nicht großartig darüber nachgedacht, ob das irgendwelchen Radioleuten gefallen könnte. So ist „The Panic Boadcast“ eine sehr spontane, ehrliche Platte geworden. Wir haben das gemacht, was uns Spaß macht – hoffentlich gefällt es den Fans genauso gut wie uns selbst.
Ich denke schon, daß die Fans die Platte mögen werden. Trotzdem frage ich mich, wie in der Labelinfo geschrieben werden kann, daß irgendein namentlich ungenanntes Magazin die Scheibe als Eure gleichsam härteste UND melodischste Veröffentlichung überhaupt bezeichnet hat. Die härteste definitiv, aber in melodischer Hinsicht waren dann „Figure No. 5“ oder „Stabbing The Drama“ wesentlich melodischer.
Da stimme ich Dir sogar zum Teil zu. Die melodischste Scheibe ist das neue Album nicht geworden. Was die vorangegangenen Scheiben angeht, finde ich, daß „Stabbing“ eine sehr wütende Platte war, die sich auch ziemlich kalt anhört im Vergleich zu „Natural Born Chaos“, die ich zum Beispiel sehr melodisch sehe. Auf der neuen Scheibe sind sehr viele unterschwellige Melodie-Elemente und Gesang, den wir seit den „Natural Born Chaos“-Tagen nicht mehr verwendet haben. Wenn man nun das Drumming hernimmt, das diesmal wirklich sehr extrem geworden ist und im Gegensatz die Melodien sieht, die darunter liegen, dann ist das schon ein ziemlich krasser Kontrast, den wir aber exakt so erzielen wollten.

Bevor Du gegangen bist, warst Du der Hauptsongwriter. Als Du weg warst, haben sich die verbliebenen Mitglieder das Songwriting untereinander aufgeteilt. Jetzt bist Du zurück. Wie ist die aktuelle Situation in dieser Hinsicht? Schreiben nun alle Songs?
Auf der neuen Scheibe bin ich wieder als Hauptsongwriter verantwortlich, zusammen mit Sylvain Coudret, dem zweiten Gitarristen.
Wie ist das nun zu verstehen? Die anderen können zwar gute Songs schreiben, doch wenn Peter „das Arbeitstier“ da ist, können sie sich wieder entspannt zurücklehnen und abwarten, was Du lieferst?
Das ist eigentlich eine gute Frage... Es ist nun nicht so, daß ich zurückgekommen bin und das an mich gerissen habe. Jeder hat immer die Chance, Songs zu schreiben und diese einzubringen. Diesmal lief es nun darauf hinaus, daß Sylvain und ich schon einige Lieder fertig hatten. Dem Rest der Band haben sie wohl so gut gefallen, daß wir nichts Neues mehr
schreiben mußten. Es ist nicht so, daß die anderen überhaupt nichts dazu beitragen. Jeder in der Band bringt sich und seine Ideen in die Songs mit ein. Sylvain und ich liefern lediglich das Grundgerüst, die Vorgaben, an denen dann die komplette Band den Feinschliff vornimmt. Dirk spielt zum Beispiel wesentlich aufwendiger und mehr, als ich es jemals auf dem Drumcomputer vorproduzieren könnte. Wir hatten auf den Demos auch wesentlich mehr Gitarren. Im Studio haben wir uns dann dazu entschlossen, die Keyboards wieder mehr einzubringen. Das hat dazu geführt, daß eine Menge Gitarren-Melodien dann für Sven und seine Keys umkomponiert wurden. Jeder hat der Platte seinen individuellen Stempel aufgedrückt, was genau das war, was wir erreichen wollten.
Das Cover ist diesmal wieder sehr beeindruckend ausgefallen. Wer war der Künstler, der das Gemälde erstellt hat und wie seid Ihr in Kontakt gekommen?
Das Cover wurde von einem Freund von Sven, unserem Keyboarder, gemalt. Er ist ein echter Maler, der zuerst alles klassisch zeichnet und malt, bevor er es in Photoshop weiter bearbeitet. Wir hatten natürlich noch andere Empfehlungen, doch ich denke, unterm Strich hat es sich wirklich gelohnt. Das gesamte Booklet sieht richtig gut aus – das Frontcover ist nur ein kleiner Teil des Gesamtkunstwerks.
Kann man von dem Künstler noch irgendwo andere Werke betrachten?
Ich schick Dir seine Web-Adresse bei Gelegenheit via Facebook. :o)

Hat das Artwork etwas mit dem Inhalt der Scheibe zu tun?
Ich denke, es ist seine Interpretation des Albumtitels, aber ich kann Dir beim besten Willen nicht sagen, was genau das Cover nun mit dem Titel zu tun hat, hahaha.
Seit „Figure No. 5“ seid Ihr mit allen Alben mit steigender Positionierung in die deutschen und schwedischen Charts eingestiegen. Was denkst Du, werdet Ihr mit „The Panic Broadcast“ erreichen?
Oh mein Gott – das ist heute mit dem ganzen Drama rund um die Musikindustrie so schwer abzuschätzen. Ich hoffe natürlich, daß die Scheibe wieder ein bißchen besser abschneiden wird als die letzte, aber einschätzen kann das heute glaube ich niemand mehr im voraus. Ich hoffe natürlich schon, daß unsere Fans so loyal sein werden und die Platte kaufen, statt sie irgendwo illegal zu ziehen, sicher sein kann man sich aber leider nicht mehr. Wir sind jedenfalls wirklich sehr zufrieden mit der Scheibe und hoffen, daß die Fans sie ebenfalls mögen und kaufen und danach unsere Shows besuchen werden.
Soilwork waren ja schon immer eher eine Tour-Band. Das war ja damals auch einer der Gründe für Deinen zwischenzeitlichen Ausstieg. Du wolltest weniger reisen und mehr im Studio arbeiten. Wie wirst Du nun weiter vorgehen? Daß Soilwork eine größere Konzertreise antreten werden, um die neue Platte zu promoten, ist ja sicher. Wird dann die Studioarbeit wieder eher in den Hintergrund treten?
Nein, eigentlich nicht. Man muß heute einfach etwas intensiver und besser planen, dann kann man beide Welten sehr gut vereinbaren. Im Moment bereite ich schon wieder ein paar neue Projekte vor, die ich in naher Zukunft produzieren werde. Das klappt mittlerweile alles ziemlich gut und reibungslos.
Mit welchen Bands hast Du in der letzten Zeit im Studio gearbeitet?
Kürzlich hatte ich eine kanadische Melodic Death Metal Band namens The Remain im Studio. Davor hatte ich die neue Nevermore gemacht.

Tatsächlich? Kompliment, die Scheibe hat es in unserer letzten Ausgabe direkt auf die Pole-Position im Scheibenkleister geschafft!
Das freut mich! Ich bin ziemlich stolz auf das Ergebnis. Ich kenne die Band schon seit geraumer Zeit und ich denke, daß Warrel ziemlich zufrieden mit seiner Solo-Scheibe war, die ich ebenfalls produziert habe. Deshalb kam dann auch die Zusammenarbeit bei der neuen Nevermore zustande.
Du lebst seit Jahren in den Staaten, Soilwork sind eine schwedische Band. Macht das die Zusammenarbeit nicht sehr schwierig?
Sagen wir es mal so: Es erfordert von allen Beteiligten etwas mehr Disziplin und Planung. Du kannst halt nicht bei der Probe auftauchen und das Material nicht beherrschen. Insofern muß jeder zu Hause sehr viel üben. Das ist aber problemlos machbar, ebenso die Fliegerei, die ja inzwischen wirklich bezahlbar geworden ist.
Aufgrund des Juli-Releases gehe ich davon aus, daß Ihr mit dem neuen Material erst im Herbst wieder in die Live-Präsenz einsteigen werdet?
Wir wollten eigentlich alle Sommer Festivals 2010 spielen. Da nun die Veröffentlichung der CD etwas nach hinten verschoben wurde, müssen wir das auf 2011 verschieben. Direkt mit dem Release geht es im Juli für fünf Wochen auf US-Tour und im frühen Herbst nach Europa, was wir gerade zusammenstellen. Dazwischen könnte es noch sein, daß wir einen Abstecher nach Asien unternehmen.
Seit den „Infernal Breed“-Anfangstagen sind inzwischen gut 15 Jahre ins Land gezogen. Eine recht lange Zeit, in der Ihr jede Menge Songs veröffentlicht und unzählige Shows gespielt habt. Ein Live-Album oder gar eine DVD sind aber bislang noch völlige Fehlanzeige in Eurer Diskographie. Warum?

Sehr gute Frage, die ich leider selbst nicht so genau beantworten kann. Irgendwie hat sich das nie ergeben... Das Problem war sicher auch, daß jeder andere Vorstellungen hatte, was genau auf einer solchen DVD zu finden sein sollte. Deshalb haben wir das immer wieder vertagt. Wir wollten das eigentlich nach „Stabbing The Drama“ angehen, doch als ich dann ausgestiegen bin, hatte der Rest der Band wohl erst einmal andere Prioritäten, was ich auch gut verstehen kann. Für die anstehende Tour haben wir das aber endlich mit in die To-Do-Liste aufgenommen.
Nuclear Blast wären sicher hocherfreut.
Ja, das denke ich auch. :-)
Werden dafür eher große Festivals wie Wacken oder Masters Of Rock, wo schon großes Recording-Equipment vor Ort ist, in Frage kommen oder eher Shows von der normalen Tour?
Das wissen wir selbst noch nicht so genau. Vielleicht beides... Ich mag zum Beispiel die „Opeth“-DVD, bei der die Band eine sehr intime Show aufgezeichnet hat. Andererseits ist es sicher auch toll, einen Wacken-Gig mit zig Tausend austickenden Fans zu filmen. Wir werden sehen – Fakt ist, daß wir das Projekt endlich angehen müssen. Mal sehen, was letzendes dabei heraus kommt :-)
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