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Mon, May 21, 12
Interviews Interview mit den Produzenten von 30 Days Of Night: Dark Days

30 DAYS OF NIGHT: DARK DAYS

Fragen und Antworten mit Regisseur/Koautor Ben Ketai, Graphic-Novel-Autor/Koautor Steve Niles, Produzent J.R. Young und den Darstellern Kiele Sanchez, Diora Baird und Rhys Coiro

Interview von Harrison Pierce am 23.07.2010
30 Days of Night: Dark Days Gruppeninterview bei der Comic-Con
The Westin Gaslamp Quarter, San Diego, Kalifornien

BEN KETAI (Regisseur/Koautor), Steve Niles (Graphic-Novel-Autor/Koautor) und J.R. YOUNG (Produzent, Ghost House Pictures)

F: Ben und Steve, wie hat sich eure Zusammenarbeit als Koautoren des Drehbuchs zu Dark Days gestaltet?

STEVE: Gott, der Prozess hat im Grunde viel Zeit in Anspruch genommen. Wir haben lange am Treatment gearbeitet. Ich habe ewig mit Sam [Raimi, Produzent] an einer Art Wunschliste gebastelt gearbeitet. Dann übernahm Ben und machte weiter. Wenn er an eine Stelle kam, an der wir Notizen gemacht hatten, kam er zu mir.

F: Was ist euch besonders wichtig, wenn ihr an einer Graphic Novel arbeitet: die Story, die Bilder oder die Stimmung?

STEVE: Story und Stimmung. Die Bilder sind Nebensache. [Lacht] Das war ein Witz. Natürlich will man bei einem Projekt wie Dark Days, bei dem der Stil so markant ist, die Bilder erhalten. Ich finde, Ben hat hervorragende Arbeit geleistet, besonders weil wir in diesem Film das unheimliche Los Angeles zeigen, das [Graphic-Novel-Illustrator] Templesmith sehr gut umgesetzt hat.

F: Ben, warst du ein Fan der ursprünglichen Graphic Novel, bevor du die Regie übernahmst?

BEN: Die Graphic Novel ist mir schon vor langer Zeit aufgefallen, als ich bei Ghost House an anderen Sachen arbeitete. Eigentlich schon, als ich dort als Praktikant anfing. J.R. holte mich in sein Büro und sagte: „Lies das hier. Das ist ein Projekt, von dem wir im Moment besonders begeistert sind.” Ich war fasziniert. An dem Tag habe ich es mir gleich zwei Mal durchgelesen. Von da an war ich in die ganze Serie regelrecht verliebt.

F: Ben, welcher Drehtag war der härteste für dich?

BEN: Es gab einen Tag, an dem die Hälfte der Darsteller krank war und wir trotzdem drehen mussten. Das war nicht einfach. Am Ende setzten wir bei Aufnahmen, in denen man die Gesichter nicht sieht, Doubles ein. Dann mussten wir so planen, dass wir am nächsten Morgen genau an der Stelle weitermachen und ihre Szenen nachdrehen konnten. Das war hart, weil man in seiner Kreativität und der fließenden Zusammenarbeit mit der Crew eingeschränkt wird.

F: An welchem Drehtag hattet ihr am meisten Spaß?

BEN: An einem der letzten Drehtage gab es eine Szene, in der alle Schauspieler zusammen im Hauswirtschaftsraum festsitzen, nachdem sie durch die Tunnel geflüchtet und von den Vampiren gejagt worden sind. An dieser Stelle entwickelt sich eine große Dramatik zwischen den Charakteren. Wegen unseres knappen Zeitplans war das einer der wenigen Tage, an denen wir in Ruhe an einer Szene arbeiten konnten, anstatt am selben Tag von einer Szene zur nächsten springen zu müssen. Wir hatten das Gefühl, wirklich experimentieren zu können, die Schauspieler hatten Zeit, sich mit dem Material vertraut zu machen, und wir probierten verschiedene Möglichkeiten aus. Das Ganze fühlte sich toll und sehr organisch an, und ich denke, dass wir an dem Tag alle viel Spaß hatten.

F: Würdet ihr gern mehr Filme aus der „30 Days“-Web-Serie wie „30 Days of Night: Blood Trails” und „30 Days of Night: Dust to Dust” drehen?

J.R.: Auf jeden Fall, wenn sich die Möglichkeit bietet. „30 Days“ ist ein tolles Medium für kürzere Segmente in Serie. Wir würden mit Begeisterung so viele Folgen drehen, wie sie uns machen lassen.

STEVE: Die Serie hat eine wirklich gute Fangemeinde.

J.R.: Stimmt, es ist unglaublich, wie viele Menschen man trifft, die meinen: „Das habe ich online gesehen.”

BEN: Der letzte, „Dust to Dust“, konnte allein auf dem Video-on-Demand-Kanal FEARnet um die zwei Millionen Zuschauer verbuchen.

STEVE: Bei „30 Days” gibt es jetzt so viel zusätzliches Material, dass wir beim ersten? [„30 Days of Night: Blood Trails“] den fehlenden Teil des ersten Films einbauen konnten. Beim zweiten arbeiteten wir mit neuerem Material. Es gibt jetzt zehn Graphic Novels und sechs Romane. Also jede Menge Ideen, die wir verwenden können.

F: Was haltet ihr von den Unmengen von Geschichten mit Vampirthemen, die den Markt überschwemmen, von Twilight bis hin zu True Blood?

STEVE: Ich finde es gut, dass wir einen Vampir haben, der so ganz anders ist als die anderen. Alle anderen Projekte konzentrieren sich auf diese romantischen, ans Herz gehenden Vampire. Unsere Vampire dagegen interessieren sich nur für Blut, und das ist gut so. Es hilft uns irgendwie, dass wir etwas ganz anderes machen.

F: David Slade, der Regisseur des ursprünglichen 30 Days of Night, hat vor kurzem das neueste Twilight-Sequel Eclipse gedreht. Ben, würdest du gern in seine Fußstapfen treten und einen romantischeren Vampirfilm wie die Twilight-Serie drehen?

STEVE: Wer könnte da nein sagen.

BEN: Das wäre eine unglaubliche Chance, immerhin ist Twilight ein erstaunliches Phänomen. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass so etwas passiert. [Lacht] Außerdem liebe ich 30 Days so, wie es ist. Bevor ich 30 Days of Night gelesen hatte, war ich kein großer Vampir-Fan. Doch die Figuren, die Steve und Ben [Templesmith] geschaffen haben, sind absolut einzigartig. Sie passen so gar nicht in die Mythologie, an die wir heute gewöhnt sind. Für mich sind sie noch nicht einmal Vampire. Ich sehe sie einfach als fiese, nihilistische Typen, die auf Blut stehen. Das ist alles sehr echt und sehr organisch. Und genau das ist es, was mich an dieser Welt fasziniert.

STEVE: Ich habe 30 Days entwickelt, weil ich keine Vampire mochte. Sie langweilten mich … ständig drehte sich alles um „Count Chocula”, Blade, „Buffy” und die Cheerleader, die mit ihnen ausgehen. Das waren doch keine Furcht einflößenden Monster mehr. In 30 Days dagegen sind sie mehr wie Landhaie. Menschen sind ihnen völlig egal. Ich habe mich einfach bemüht, sie wieder beängstigend werden zu lassen.

F: Auf der 30 Days of Night: Dark Days-DVD gibt es Kommentare der Filmemacher und die „The Gritty Realism of ‚Dark Days’”-Featurette. Seid ihr Freunde von Added-Value-Features, und macht ihr gern bei solchen Sachen mit?

STEVE: Dabei mitzuwirken ist ein wenig eigenartig. Aber es kann Spaß machen. Ich sehe mir so etwas oft an, gebe aber selbst ungern meine Kommentare ab. Und ihr?

BEN: Ich habe mir nie Kommentare angehört. Erst als wir die Kommentare für dieses Projekt aufzeichnen mussten, habe ich angefangen, mich damit zu beschäftigen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie so etwas klingt.

STEVE: Den Kommentar des ersten 30 Days habe ich mir angehört, weil ich wissen wollte was Rob [Tapert, Produzent] zu sagen hatte.

BEN: Wenn es gute Added-Value-Sachen sind, ist das eine Geschichte. Aber inzwischen gibt es so viele DVDs, und jede scheint sich verpflichtet zu fühlen, Added Value anbieten zu müssen. Vieles davon ist einfach nur Durchschnitt, meistens sehe ich mir so etwas gar nicht erst an, außer wenn ich irgendwo höre, dass es wirklich gut ist. Tatsächlich finde ich das Material auf Dark Days richtig gut und bin ganz begeistert davon.

F: Plant ihr einen Film, der auf „Return to Barrow”, der dritten Graphic Novel aus der „30 Days”-Buchserie, basiert?

J.R.: Das würden wir nur zu gern machen. Wir erfuhren erst nach der DVD-Veröffentlichung von 30 Days, dass wir den „Dark Days”-Film drehen würden. Natürlich sagten wir sofort begeistert zu. Wenn dieser Teil nach seinem Erscheinen gut bei den Fans ankommt und sie hoffentlich mehr wollen, drehen wir den nächsten.

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