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ASP sind seit jeher große Geschichten-Erzähler, die es perfekt verstehen, literarisch hochwertige Kost perfekt akustisch in Szene zu setzen. Nach Abschluß des „Schwarzer Schmetterling“-Zyklus steht nun mit „Zaubererbruder - der Krabat-Liederzyklus“ ein großartiges, in sich abgeschlossenes Doppelalbum in den Regalen der Händler. Grund genug, dem Chefdenker und Namensgeber Asp einmal ein bißchen intensiver auf den Zahn zu fühlen...

ASP sind seit jeher große Geschichten-Erzähler, die es perfekt verstehen, literarisch hochwertige Kost perfekt akustisch in Szene zu setzen. Nach Abschluß des „Schwarzer Schmetterling“-Zyklus steht nun mit „Zaubererbruder - der Krabat-Liederzyklus“ ein großartiges, in sich abgeschlossenes Doppelalbum in den Regalen der Händler. Grund genug, dem Chefdenker und Namensgeber Asp einmal ein bißchen intensiver auf den Zahn zu fühlen...
Zu Beginn gratuliere ich Euch herzlich zum neuen Album, das mich - vorsichtig ausgedrückt - komplett vom Hocker gehauen hat (mein Nr. 1 Album dieser Ausgabe) und zum hohen Charteinstieg.
Herzlichen Dank!
Hättet ‚Ihr mit diesem erfolgreichen Start für die Scheibe gerechnet?
Ob das Album erfolgreich ist, das kann man noch nicht wirklich messen. Um ehrlich zu sein: Uns bedeutet der Charteinstieg nichts, solche Sachen sind eher Indikatoren der Business-Leute. Wir sehen das als Musiker eher skeptisch. Für uns ist wichtig, wie vielen Leuten das Album nachhaltig gefällt und vor allem natürlich, daß wir selbst mit dem musikalischen Output zufrieden sind. Wir sind es.
Wie lange habt Ihr an der Scheibe gearbeitet? Beschreibt doch kurz die Entstehung eines solchen Konzeptalbums - vom einzelnen Song bis zum fertigen Album.
Wie lange wir tatsächlich an dem Projekt gearbeitet haben ist wirklich nicht einfach zu sagen. Aufmerksam geworden bin ich auf die Sage wie die meisten anderen auch: Durch das hervorragende Jugendbuch „Krabat“ von Ottfried Preußler. Da muß ich so – laß mich mal überlegen – um die zwölf Jahre alt gewesen sein. Aber erst Mitte der 90er Jahre erwuchs in mir der Wunsch, die Geschichte zu vertonen und ich fing lose und nicht besonders intensiv mit ein paar Nachforschungen an. Wie es aber immer so ist: Es kam alles anders und das Projekt verschwand für lange Zeit von meinem Schreibtisch, weil andere Dinge zu diesem Zeitpunkt wichtiger waren. Erst 2005/2006 fiel mir das Projekt wieder ein, als wir merkten, daß wir ein paar Titel für die „Ich bin ein wahrer Satan“-Single gut gebrauchen könnten.
Wie (und wer) kommt bei Euch mit den Konzepten an? Startet ein solches Projekt immer ein einzelner oder entstehen diese Ideen in der „Gruppe“?
Für die Konzepte bei ASP bin ich allein verantwortlich. Diese entstehen zunächst immer bei mir allein am Schreibtisch und dann beginnt das Songwriting. Mit meinen Songideen gehe ich dann zu meinem Produzenten und Arrangeur und wir machen aus den Songideen „richtige“ Lieder und beginnen mit den Aufnahmen.
Auf YouTube gibt es ein tolles Fanvideo zu Krabat, das ich mehr als gelungen finde. Hier der Link: http://de.youtube.com/watch?v=vh69Az_F8Ss&feature=related
Wäre es nicht reizvoll, eine Scheibe, wie Zaubererbruder nicht einmal komplett multimedial umzusetzen? Ich könnte mir das wirklich sehr gut vorstellen. Eure Version des Buches schreit ja schon fast nach einer Musical-ähnlichen Umsetzung - zumindest sehe ich das so. Hättet Ihr Ambitionen, so ein Projekt einmal anzugehen? Große Geschichten-Erzähler wart Ihr ja schon immer ;-)
Das Fan-Video hab ich mir angeschaut. Selbstverständlich ist es großartig, denn es benutzt Szenen aus dem phantastischen Zeichentrickfilm aus den 70ern von Karel Zeman. Das ist zwar sehr hübsch, aber auch nicht ganz astrein, denn der Urheber wurde sicher nicht gefragt, ob er das möchte. Wir sind für visuelle Umsetzungen sebstverständlich offen, aber meistens sind es schon die gigantischen Budgets, die es zu dieser Art Projekten bedarf, die wir als Indie-Band gar nicht aufbringen könnten. Was Musicals angeht: Da bin ich nicht wirklich ein Fan von. Als Film...legitim, als Bühnenaufführung: Nicht Meins.
In der Labelinfo ist vermerkt, daß „Zaubererbruder“ nur ein „Zwischenschritt“ vor dem nächsten großen Zyklus ist.
Das sehen wir tatsächlich so. Ich finde, jede Geschichte sollte eine Vertonung haben, die ihrer würdig ist und die ihr musikalisch entspricht. Die von „Zaubererbruder“ verlangte nach Musik, die ich persönlich klasse finde, aber ich würde jetzt nicht unbedingt eine Geige, Dudelsack usw. für immer fest in unser Repertoire einbauen wollen. Meine ganz eigenen Geschichten liegen mir natürlich noch einen Ticken mehr am Herzen, als die, die auf einer anderen Erzählung basieren... auch, wenn ich mir hier große Freiheiten erlaubt habe. Die Freiheit bei einer komplett selbst geschriebenen Geschichte ist natürlich am Ende noch erfüllender. Du weißt sicher, die Texte haben bei ASP einen besonders hohen Stellenwert. Ich sehe mich vor allem als Geschichtenerzähler, erst in zweiter Instanz als Songwriter. Das war bisher auch immer etwas, das die Leute natürlich sehr schätzten.
Könnt Ihr uns schon ein paar detailliertere Infos geben, was in der nächsten Zeit in dieser Hinsicht geplant ist?
Details sind leider nicht möglich, da ich nach der Tour einen kurzen Moment der Besinnung in Anspruch nehmen muß. Die Band geht nun in ihr zehntes Jahr und in diesen zehn Jahren hat sich natürlich eine Menge verändert. Zeit, einmal Rückschau zu halten und reinen Tisch zu machen. Zeit auch, sich für das kommende Album besonders viel Größenwahnsinniges vorzunehmen, haha. Ich möchte gerne mit Matthias (Produzent, Gitarrist bei ASP / Anm.d.Red.) alles, was wir in den letzten Jahren Gutes gemacht und dazugelernt haben vereinen, um das beste und intensivste ASP-Album aller Zeiten zu machen.
In der CD-Info ist von der Angst vieler Fans die Rede, daß es mit ASP eventuell nicht mehr weiter gehen könnte. Sind diese Ängste begründet?
Ganz unbegründet sind solche Bedenken natürlich nie. Wir haben uns immer unabhängig von den großen Firmen gehalten und wollen das auch weiterhin so tun. Aber das ist natürlich auch ein großes Risiko in der heutigen Zeit, denn schon ein einziges Album, daß nicht „läuft“ könnte eine Band in unserer Situation nicht überstehen. Dazu fehlt uns natürlich der finanzielle Rückhalt. Aber die künstlerische Freiheit wiegt das mehr als auf. Ein AbentEuer ist es allemal und definitiv kein Leben für Sicherheitsfanatiker.
Was reizt einen, auch nach Jahren immer wieder weiter zu machen?
Was uns reizt ist leicht zu erklären. Ich kann nicht anders. Ich sehe meinen Beruf als Berufung an.
Zur Tour: Was können die Fans erwarten? Besonders interessant für mich: wie intensiv wird Zaubererbruder in die Show integriert sein?
Wir haben die Unplugged-Tour gerade deshalb zu diesem Zeitpunkt geplant, weil wir denken, daß es optimal zum „Zaubererbruder“ passt, dementsprechend werden wir viele Songs vom aktuellen Album im Repertoire haben. Aber wir spielen ebenfalls viel ASP-Evergreens, „Everblacks“... es hält sich ungefähr die Waage.
Wird die Live-Tour auf DVD/Live-CD zweitverwertet?
Eine kniffelige Frage. Sagen wir es mal so: Wir nehmen zwei Konzerte tatsächlich für DVD auf. Ob das Material dann aber veröffentlicht wird oder nur ein besonders kostenintensives Andenken für unser Privatarchiv, das wird sich zeigen.
Was waren die Begebenheiten, die Euch am stärksten belustigt, beeindruckt und geärgert haben?
Ich denke, das Fazit, das man ziehen kann ist: Am meisten rührt uns, daß die Fans uns so toll unterstützen. DAS ist beeindruckend. Am meisten geärgert haben wir uns immer über die vorherrschenden Mechanismen im Musikbusiness, die man nur sehr schwer umgehen kann. Was da los ist, ist Realsatire. Dieser Kampf gegen die Windmühlen zehrt sehr aus.
Welches sind Eure musikalischen Wurzeln/Haupteinflüsse?
Die Frage nach den Haupteinflüssen ist sehr schwierig. Wir sind von vielem beeinflußt, weswegen die Vielfalt eines unserer Markenzeichen ist. Es gäbe jetzt aber keine Band, die ich nennen könnte. Eher literarische Einflüsse, die bei unserer Art von „erzählerischer Musik“ ja besonders wichtig sind. Jeder, der eine packende Geschichte zu erzählen weiß, ist mein Vorbild.
Mit wem würdet Ihr gerne mal auf Tour gehen?
Auf Tournee möchte ich vor allem mit freundlichen, höflichen und netten Leuten zusammen sein. Alles andere ist erstmal zweitrangig. Ich persönlich finde es noch toll, wenn man von anderen Musikern noch etwas lernen kann, was es auch sei.
Würdet Ihr, wenn ihr die Chance dazu bekommen würdet, alles wieder so machen? Was würdet ihr anders machen? (außer die Brille gleich bei Fielmann zu kaufen...)
Gesünder leben und noch weniger auf andere hören.
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