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Alice in Chains
Während der Metal sich in den Achtzigern langsam, aber beständig wie ein Virus auf die ganze Welt verbreitete, legte er in den Neunzigern vorübergehend einen Stopp ein um einem anderen, neuartigen, weitaus aggressiveren Befall Vorrang zu gewähren… die Rede ist vom Grunge. Eine Mutation aus Rock, Metal und Independent infizierte den Erdball. Die Brutstätte: Seattle im Staate Washington. Fast schon seuchenartig befiel eine Musikrichtung die Menschheit und mutierte zu einer globalen Bewegung, in der sich vor allem Jugendliche heftigen Sinneswandlungen hingaben und plötzlich mit Ringelshirts, Partisanenschals und Jesustretern durch die Pampas schlappten und alles halb vernebelt super-easy fanden. Doch es war kein Revival der 60er Jahre, nein, sie riß ein bislang versiegeltes Buch auf und schenkte Jugendlichen und ihren täglichen Ängsten plötzlich Gehör und Verständnis. Der Grunge wurde zu einem psychologisch wertvollen Schlüssel, der durch intensive Rockmusik mit perfekten Gänsehautmelodien und textlich tiefster, dunkelster Melancholie, imperfekte Gesellschaftsthemen aufsperrte und der Öffentlichkeit zugänglich machte.

Während der Metal sich in den Achtzigern langsam, aber beständig wie ein Virus auf die ganze Welt verbreitete, legte er in den Neunzigern vorübergehend einen Stopp ein um einem anderen, neuartigen, weitaus aggressiveren Befall Vorrang zu gewähren… die Rede ist vom Grunge. Eine Mutation aus Rock, Metal und Independent infizierte den Erdball. Die Brutstätte: Seattle im Staate Washington. Fast schon seuchenartig befiel eine Musikrichtung die Menschheit und mutierte zu einer globalen Bewegung, in der sich vor allem Jugendliche heftigen Sinneswandlungen hingaben und plötzlich mit Ringelshirts, Partisanenschals und Jesustretern durch die Pampas schlappten und alles halb vernebelt super-easy fanden. Doch es war kein Revival der 60er Jahre, nein, sie riß ein bislang versiegeltes Buch auf und schenkte Jugendlichen und ihren täglichen Ängsten plötzlich Gehör und Verständnis. Der Grunge wurde zu einem psychologisch wertvollen Schlüssel, der durch intensive Rockmusik mit perfekten Gänsehautmelodien und textlich tiefster, dunkelster Melancholie, imperfekte Gesellschaftsthemen aufsperrte und der Öffentlichkeit zugänglich machte.
Die jüngste Revolution der Rockgeschichte erhob sich auf vier Säulen: Pearl Jam, Nirvana, Soundgarden und Alice In Chains. Die Helden unserer Story, angeführt von Sänger Lane Staley und Gitarrist Jerry Cantrell als Songwriter-Team, bescherten mit ihren drei Alben „Facelift“ (1990), „Dirt“ (1992) und „Alice In Chains“ (1995) sowie insgesamt drei EPs das soundunterlegte Kopfkino zu einer endlosen Depression und belegten eindrucksvoll ihren Anklang mit 14 Millionen verkaufter Alben alleine in den USA.
Nachdem Lane Staley ein ähnliches Schicksal wie Nirvana-Frontmann Kurt Cobain ereilte, der aus Erfolgsdruck und Öffentlichkeitserschöpfung in den Drogenkonsum eintauchte und es nicht lebendig wieder heraus schaffte, lagen Alice In Chains seit ihrer letzten Veröffentlichung ganze 14 Jahre auf Eis.
Als wahres Wunder ist es zu sehen, daß sich anno 2009 eine Wiedergeburt ankündigte, die zudem mit einem unfaßbar starken Album aufwartete und jeglichen Zweiflern im Nu das Mundwerk stopfte. Zu dieser grandiosen Reanimation konnte mir ein anfänglich etwas wortkarger neuer Frontmann, Sänger und Gitarrist William Duvall, einige Auskünfte, wenn auch leidlich schleppend, geben.
Will, Ihr seid gerade auf Promotournee in London und werdet nächsten Monat auch nach München kommen, um eines der wenigen Deutschlandkonzerte zu geben. Freut Ihr Euch, als Band wieder unter den Lebenden zu weilen?
Definitiv! Es war wirklich sehr lange still um Alice in Chains. Ich bin ja nun auch schon seit 2005 im Boot, wenn auch inoffiziell, aber da ist es schon ein bewegender Moment nun endlich offiziell 2009 als Band sich präsentieren zu dürfen.
Ihr wart ja vor kurzem in der Conan O´Brian Show zu Gast. Wie war das, im Fernsehen zu sein und dort live zu performen?
Es war ziemlich cool. Conan O´Brian ist ein absoluter Publikumsmagnet in den USA, weshalb dieser Auftritt eine echte Ehre und natürlich ein ideales Promotool für uns war. Es ist schon ein ganz schöner Unterschied zwischen einem normalen Gig in einem Club oder einer Show im Fernsehen. Es gibt unterschiedliche technische Anforderungen, man muß in die Maske und wird geschminkt, man hat den Kameraleuten auf Anweisung zu folgen und all diese Dinge. Und das alles wegen nur eines Songs und einem Smalltalk. Wir waren vor der Conan Show auch bei Jimmy Kimmel in seiner Late Night Show. Dort war es jedoch komplett anders, denn wir spielten in einem open air Studio ein Minikonzert mit fünf, sechs Songs. Es wurden zwar nur eineinhalb Songs über den Sender geschickt, aber den Rest spielten wir für das anwesende Publikum. Das war schon eher wie ein regulärer Live-Auftritt. Aber beides ist cool auf seine Weise.
Live zu spielen ist eigentlich immer cool, oder?
Weißt Du, es ist schon ein Segen, so ein Leben führen zu können. Da gibt es nicht viel Platz für Beschwerden… ;-)
Ich habe auf Eurer Homepage gesehen, daß Ihr ein Alice In Chains-iPhone-App habt. Wie kam es dazu?
Nun, Apple sind an uns herangetreten und haben gefragt, ob wir daran interessiert seien. Wir hatten zuvor einen Künstler beauftragt, verschiedene Bilder für uns zu erstellen, die wir für unterschiedliche Zwecke nutzen wollten und dies auch aktuell tun… z.B. für die Homepage, MySpace oder auch Merchandise, usw. Die Idee mit dem iPhone-App zeigte uns eine weitere Möglichkeit des Nutzens dieser Kunstwerke auf. Und so akzeptierten wir das Angebot. Herausgekommen ist dabei nun, daß man für jeden Song, der aufgerufen wird, ein anderes dieser Werke in animierter Form gezeigt bekommt, was ziemlich cool ist.
Hast Du selbst ein iPhone bzw. seid Ihr dann alle damit ausgestattet worden?
Ja, wir haben alle eins. Ich habe meins allerdings schon seit einigen Jahren. Ich bin schon lange Fan von dem Teil. Ich glaube, das hat sich einfach zum aktuellen Standard gemausert… zumindest in Amerika.
Das kann ich bestätigen…bei meinem Besuch in den Staaten dieses Jahr mußte ich feststellen, daß wirklich jeder Zehnte, der auf der Straße telefonierte, „kein“ iPhone in der Hand hatte. Dabei muß man aber sagen, daß die benötigte Online-Flatrate in den USA um einiges günstiger ist, als bei uns hier. Aber wie auch immer… wenn ich mir das so überlege, kommt mir in den Sinn… früher brachte eine Band ein Album raus, ging auf Tour, verkaufte Merchandise und hatte als Sahnehäubchen vielleicht ein paar Videos auf MTV laufen. Heutzutage kommt die komplette Internetwelt hinzu… du mußt eine Homepage haben, eine MySpace-Plattform natürlich auch, deine Songs sollten in jedem Downloadsektor auf dem Globus käuflich erhältlich sein und man braucht „Applications“ für Millionen von iPhones auf der Welt… ;-)
Ja, es ist eine vollkommen andere Welt als früher. Durch das Internet gibt es natürlich heutzutage wesentlich mehr Möglichkeiten, deine Band einem größeren Publikum zugänglich zu machen und auch vielseitiger zu zeigen. Vor allem kleinere Bands haben endlich die Möglichkeit auch ohne Plattendeal sich der Welt zu präsentieren… das ist das Gute daran. Aber es gibt selbstverständlich immer zwei Seiten einer Medaille. Die negativste Auswirkung dieser globalen Medienlandschaft liegt natürlich in den illegalen Downloads und der Hysterie jeder Band, die eigene Musik davor zu schützen. Es ist aber leider fast unmöglich zu verhindern, daß dein Album schon Wochen vor dem offiziellen Release irgendwo zum Download steht und ein paar Millionen mal kostenlos heruntergeladen wird. Das hat das ganze Musikbusiness radikal verändert. Unsere Plattenfirma gratulierte uns sogar, daß unser Album lediglich zwei Wochen vor dem Release im Netz auftauchte, während der Durchschnitt bei wohl über einem Monat liegen soll. Wir hatten also noch Glück damit, was schon einen seltsamen Nachgeschmack mit sich bringt.
Kannst Du Dich also in der Gegenwart als Musiker soweit wohlfühlen oder vermißt Du die alten Zeiten?
Ja, ich vermisse die Zeiten schon ein wenig, als alles noch ohne Internet und digitaler Speichermedien war. Die Leute haben sich früher viel mehr auf ein neues Album eines Künstlers gefreut und teilweise am Veröffentlichungstag Stunden gewartet, bevor sie in ihren Plattenladen hineinstürmen konnten um es zu kaufen. Die einzige Möglichkeit an ein Album heranzukommen, war nun mal es zu kaufen. Ok, Bootlegs hat es schon immer gegeben, aber dabei litt die Qualität und der echte Fan holte sich das Original. Jetzt gibt es in den Staaten ach so gut wie keine Videosender mehr. Die ganze Musikindustrie hat dermaßen an Stellenwert eingebüßt, daß sie sich nahezu aufgelöst hat… und mit ihr die Faszination und das Mysterium, die eine Band umgeben hatte.
Du bist sicher schon tausend mal gefragt worden, wie es ist, Lane Staleys Schuhe füllen zu müssen und so ein Blabla… was mich interessiert ist allerdings, ob es für Dich einen Unterschied gemacht hat, nicht die Texte von einem früheren, sondern einem verstorbenen Sänger zu adaptieren?
Ähm… puh… gute Frage. Um ehrlich zu sein, ich war in meiner musikalischen Laufbahn noch nie in eine Band eingestiegen und mußte deshalb auch noch nie irgendwelche Texte von Vorgängern singen. Ich hatte immer meine eigene Band und sang meine eigenen Texte, weshalb ich keine Erfahrungen dafür mitbringe, um einen Vergleich anzustellen. Aber was im Grunde gleich bleibt, auch wenn es um Lyrics eines Menschen geht, der nicht länger unter uns weilt, ist die Tatsache, daß ich einen Weg finden mußte, diese sehr persönlichen Texte für mich zu interpretieren und in meiner individuellen Weise zu singen.
Und ich freue mich schon sehr darauf Deine Interpretation der alten Songs auf der kommenden Tour zu hören. Ich muß zugeben, daß ich nach der Reunion-Meldung durchaus skeptisch war, ob nach 14 Jahren Pause etwas Vernünftiges dabei herauskommt. Aber es kam sogar etwas gigantisch Gutes dabei heraus, das sicher nur Wenige nicht in Begeisterung stürzte. War es eigentlich schwerer als üblich, ein Album wie „Black Gives Way To Blue“ zu schaffen? Wurden Pläne geschmiedet, um dem Sound treu zu bleiben oder hat sich das alles einfach so ergeben?
Der Songwritingprozeß lief komplett organisch und natürlich ab. Alles entwickelte sich einfach so, wie es letztendlich auf der Scheibe klingt. Wir hatten uns keine Maßstäbe oder Stilvorgaben gesetzt, sondern einfach drauflos geschrieben. Ich denke, das ist auch der Grund, warum es ein gutes Album wurde und nicht gekünstelt oder gestellt klingt.
Zehn von zehn Punkten im H|T|M #7 attestieren das. Und was sagst Du den Staley-Maniacs, die Dich als neuen Alice In Chains Sänger nicht akzeptieren wollen?
Ach weißt Du, es wird immer Leute geben, die etwas an einem auszusetzen haben. Aber das interessiert mich nicht sonderlich. Solange es Fans gibt, und seien es welche, die wir erst mit diesem Album hinzugewonnen haben, die zu unseren Konzerten kommen und mit ihrer Präsenz ihre Wertschätzung vermitteln, bin ich glücklich in meiner Position. Ich denke, das Beste was man tun kann, ist sich auf das zu konzentrieren, was man gerne tut, damit man es gut macht. Dann können einem die Neider und Mißgünstigen nicht berühren.
Weise Worte zum Abschluß. Ich werde jedenfalls einer dieser Fans sein und die alten, wie die neuen Songs genießen.
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