Anzeige
Banner
Facebook Twitter 
Mon, May 21, 12
Interviews Archiv Desaster

Desaster

Desaster

Desaster - Desaströser Geschichts-Unterricht

20 Jahre dröhnt das Desaster-Kriegsschiff nun schon durch die internationalen Metal-Gewässer. 20 Jahre, in denen kaum eine andere Band konstanter und wurzelverhafteter (?) war, als Desaster. Nicht umsonst zählt die Band zu den wichtigsten Underground-Thrash-Bands des Planeten, wenn man den Namen „Underground“ an dieser Stelle überhaupt noch benutzen kann. Bei der Desaster-Metal-Cruise, einer Schiffahrt zum Bandjubiläum am 18. Oktober diesen Jahres schnappte ich mir Drummer, Bandsprachrohr und Sympathiebolzen Tormentor aka Husky auf dem V.I.P.-Deck des Rhein-Mosel-Dampfers, um die Bandhistorie Revue passieren zu lassen.

Desaster

Desaster - Desaströser Geschichts-Unterricht

20 Jahre dröhnt das Desaster-Kriegsschiff nun schon durch die internationalen Metal-Gewässer. 20 Jahre, in denen kaum eine andere Band konstanter und wurzelverhafteter (?) war, als Desaster. Nicht umsonst zählt die Band zu den wichtigsten Underground-Thrash-Bands des Planeten, wenn man den Namen „Underground“ an dieser Stelle überhaupt noch benutzen kann. Bei der Desaster-Metal-Cruise, einer Schiffahrt zum Bandjubiläum am 18. Oktober diesen Jahres schnappte ich mir Drummer, Bandsprachrohr und Sympathiebolzen Tormentor aka Husky auf dem V.I.P.-Deck des Rhein-Mosel-Dampfers, um die Bandhistorie Revue passieren zu lassen.

So ganz haut das mit dem 20-Jährigen aber nicht hin, oder? Ich hab irgendwo gelesen, daß Desaster bereits 1988 gegründet wurden....

Naja, gegründet wurde die Band 1988, aber der erste Live-Gig war 1989. Ab dem Zeitpunkt tickt die Uhr...

Ah - ok. Nun bin ich wieder im Bilde.

Ja, das erste Konzert fand auf einer Grillhütte statt, aber da war ich noch nicht dabei. :o)

Umreiß doch einfach mal die gesamte Entwicklung, die Desaster in den 20 Jahren so durchgemacht haben. Warum wurden Desaster damals gegründet?

Kasi und Infernal kamen 1987/88 auf die Idee, ein bißchen herumzulärmen. Das war so in der Zeit, als der ganze Bermuda-Thrash-Mist aufkam. Da wollten dann plötzlich alle Bands lustig und nicht mehr evil sein. Anthrax, Sacred Reich - sogar Testament gaben sich die Blöße! Das hatte die Jungs tierisch genervt, weil sie eben nach wie vor auf Bands wie Hellhammer, Celtic Frost oder Infernal Majesty standen, die die letzte Band waren, die damals noch mit Nieten und Patronengurten auf die Bühne stiefelte. In diese Fußstapfen wollten sie treten und mit Alex hatten sie dann auch irgendwann einen Drummer am Start. Keiner von ihnen hatte damals eine Ahnung, was überhaupt abgeht. Da wurden Klampfen gekauft, die logischerweise gestimmt werden mußten - aber sie wußten nicht, daß sie sie auch aufeinander abstimmen mußten - haha - eben ein totales Desaster. Nach dem Grillhütten-Gig hatte sich das dann erstmal irgendwie verlaufen, bis 1992 mit Occulto, Odin und Lucky das zweite Line Up stand. Ich kam dann 1995 zum ersten Mal mit Desaster in Verbindung, als ich eine kleine Tour als Aushilfsdrummer bestritt. Lustig war, daß die andere Band Pervertum mit jedem der drei Tage weniger wurde. Am ersten Abend spielten sie noch komplett, am zweiten fiel der Sänger aus, weil ihm seine Schminke in die Augen gelaufen und er daran fast erblindet war und am dritten Abend haben sie dann gar nicht mehr gespielt… haha. Bei der ersten LP und der Splitsingle war ich dann wieder nicht mit von der Partie.

Ich stieg dann 1996 nach der „Touch Of Medieval Darkness“ fest ein. Die Platte wurde in einem Koblenzer Studio aufgenommen - damals noch mit Thorim an den Drums. Erschienen ist das Ding über Merciless Records und ist nach wie vor die meistverkaufte Desaster-Platte überhaupt. Die Scheibe kam damals gerade richtig. Es rumorte gerade der skandinavische Black Metal und Desaster waren im Prinzip eine der ersten deutschen Bands, die mit dieser Musik eine Platte veröffentlicht hatten.

1997 kam dann die „Stormbringer“-EP, was meinen Studio-Einstieg markierte. Aufgenommen wurde ebenfalls in Koblenz bei Toxo-Music. In dieser Zeit entwickelte sich der Black Metal in diese keyboardlastige Richtung und wurde oft mit Frauengesang, Blockflöte, Arschgeige - was weiß ich, aufgepeppt. Deshalb wollten wir damals ein Statement setzen und zeigen, daß man auch gute Atmosphäre ohne diese nicht-metallischen Elemente erzeugen kann. Und dem guten alten deutschen Thrash Metal versuchten wir dabei auch wieder ein bißchen Leben einzuhauchen...

Mit der „Ride On For Revenge“-7“ sollten die Fans auf das nächste volle Album hungrig gemacht werden, das dann 1998 in Form der „Hellfire‘s Dominion“ auf die Menschheit losgelassen wurde. Viele Leute deklarierten die Scheibe als unsere „Reign In Blood“, was ich zwar nicht verstehe, aber gut. Aufgenommen wurde damals in Velbert. Mit Toto & Lemmy hatten wir auch prominente Gastsänger auf der Scheibe. Atomic Steiff ließ uns während der Aufnahmezeit bei sich wohnen, was eine sehr coole Sache war.

Danach kamen vermehrt Konzerte und unsere ersten Auslandsgigs auf uns zu und wir steuerten den Song „Proselytism Real“ zu einem Sodom-Tribute-Sampler bei.

1999 feierten wir dann mit der „Ten Years“-Doppel-LP, exklusiv auf Vinyl, vier neuen Songs und jeder Menge unveröffentlichter Sachen unser Jubeljahr.

2000 nahmen wir dann wieder eine Splitscheibe auf - diesmal zusammen mit Pentacle. Eine 10“ war das Ergebnis, die auch gleichzeitig unser Einstand bei Iron Pegasus Records war.

Im selben Jahr knatterten wir auch die „Tyrants Of The Netherworld“ irgendwo in Stuttgart ein. Danach kam die „Souls Of Infernity“-7“ mit zwei Songs davon und einem Track, den wir noch von den „Tyrants“-Sessions übrig hatten.

2001 stiegen wir dann auf die Bretter des Wacken Open Airs - das war die letzte Show, die Occulto mit uns gespielt hatte. Da hatten auch wir beide uns kennen gelernt, stimmt‘s?

Ja, stimmt. Ist auch schon ne Weile her! :o)

Danach stieg Occulto aus.Nach dem ersten Schock war aber sofort klar, daß wir deshalb auf keinen Fall die Band aufzulösen würden und machten uns auf die Suche nach einem neuen Fronter, den wir in Sataniac auch recht schnell fanden. Der hatte damals mit seiner Band Infernal Majesty auf einem Konzert gespielt, das Infernal und ich zusammen organisiert hatten. Damals waren noch Asphyx und Warhammer mit von der Partie. Uns hatte sein Gesangsstil super gefallen - die Mischung aus Jeff von Possessed und Martin von Asphyx paßte einfach perfekt zu unserem Sound.

Die erste Sataniac-Scheibe „Divine Blasphemies“ nahmen wir dann wieder in Koblenz auf. Darauf waren u.a. zwei spezielle Songs vertreten: Eine Cover-Version von Divine Genocide und ein weiterer Song, den wir ein wenig verdesasterialisiert haben, „Shadowwinds“. Wir wollten einfach die Lücke zwischen den beiden Bands schließen um einen guten Übergang zu schaffen. (ich versteh den Satz nicht? Zwischen welchen „Bands“?)

Danach flogen wir das erste Mal nach Brasilien. Dort wurde dann bei einem Einzelgig vor 1.000 Leuten in Sao Paolo die Live-DVD/CD aufgenommen. Das war richtig fett! Die Kontakte, die wir damals knüpfen konnten, führten uns mittlerweile drei weitere Male nach Brasilien. Es ist immer wieder eine Wohltat, dorthin zurückzukehren.

Dann erfolgte der Wechsel zu Metal Blade. In jedem Interview kam damals die Frage „Warum seid Ihr gewechselt?“. Da wurde ein regelrechter Hype daraus gemacht, nur weil da nun Metal Blade auf der CD stand. Was ist denn nun wichtiger: Die Musik einer Band oder deren Plattenfirma? Nach einer gewissen Zeit mußte einfach mal ein Tapetenwechsel her. Wir haben diesen Zirkus nicht verstanden. Metal Blade hatten uns einen Vertrag angeboten, der uns die Chance bot, auch außerhalb Deutschlands ein wenig bekannter zu werden, ohne daß uns irgendwer in unsere Musik oder das Bandkonzept reinredete. Das war uns extrem wichtig. Ich mag die Truppe auch sehr gerne - alles supernette Leute, mit denen wir uns ausgezeichnet verstanden. Viele hatten damals Angst, daß sich unser Sound mit dem Wechsel verändern würde - diese Leute haben die Band Desaster einfach nicht verstanden. Sowas würde niemals geschehen...

Naja, als nächstes haben wir dann „Angelwhore“ rausgewichst - haha. Zu der Zeit klangen Metal Blade-Releases vom Sound her, als wären sie alle im selben Studio aufgenommen worden. Da stach die „Angelwhore“ ziemlich heraus, weil sie eben einen völlig anderen Sound hatte. Viele Medien fanden die Songs damals klasse - den Sound aber komplett für den Ar***. Gut, wir legten noch nie großen Wert darauf, wie alle anderen Bands so klingen - insofern fand ich „Angelwhore“ damals schon recht... sagen wir „aussagekräftig“, hehe.

Im Anschluß spielten wir sehr viele Gigs im Auslang: England, Holland, Österreich, Schweiz, Serbien, Ungarn, Slowenien... Eine weitere Tour mit Holy Moses stand danach an und in 2005 eine Tour durch Brasilien und Kolumbien. Damals haben wir wirklich sehr viel gespielt.

Zwischendurch veröffentlichten wir die „Infernal Voices“ 12“ Maxi mit drei Tracks, die schon vorab die Marschrichtung für das nächste Album „Satan‘s Soldiers Syndicate“ vorgaben. Beide Scheiben wurden in Holland aufgenommen - im selben Studio, das auch Asphyx schon in Beschlag hatten. Mit dem Ergebnis waren wir sehr zufrieden. Insgesamt wurde zehn Tage aufgenommen und drei Tage gemixt.

Auf der aktuellen 20-Jahres-Box sind neben den zwei Demos diverser Singlesongs auch drei neue Stücke und ein re-recordeter Song vertreten. Das war‘s vorerst.

Gut, das war umfangreich. Neben Desaster bist Du ja auch noch mit anderen Projekten beschäftigt. Wie bekommst Du das alles unter einen Hut und wie wird es weiter gehen?

Neben Desaster spiele ich zur Zeit noch bei den Japanern Metalucifer mit. Das ist aber recht entspannt, weil wir uns nur alle drei, vier Jahre treffen, um ne neue Platte einzuspielen und ein paar Gigs zu zocken. Dann bin ich noch bei Death Fist engagiert, wobei die Band erst als zweite feste Band neben Desaster gedacht war. Das „fest“ hat sich dann aber recht schnell erledigt, weil ich merken mußte, daß auch ich nicht jünger werde. Zwei feste Bands und nebenher arbeiten geht nicht mehr. Mal sehen, was damit weiter passiert. Dann ist noch geplant, daß ich mir Crom aus Bayern, das ist da, wo du herkommst, hehehehee, was mache. Darüber hinaus mache ich den Großteil der Label- und Pressearbeit und hab von Infernal, nachdem der Vater geworden ist, im Prinzip die ganze Bandorganisation übernommen. Odin kümmert sich derweilen um das Merchandise und Sataniac regelt die Konzertsachen.

Insgesamt wird in Zukunft etwas zurückgeschraubt. Eine richtige Tour werden wir wahrscheinlich aus diesem Grund nicht mehr machen. Ein, zwei Gigs im Monat, evtl. noch die eine oder andere zwei, drei-Tagestour… mehr wird es nicht mehr werden. Die letzten Jahre waren livetechnisch ziemlich exzessiv, was langsam soetwas wie Routine aufbrachte. Da wußten wir, daß es an der Zeit war, etwas zurückzufahren. Dieses Gefühl wollen wir auf keinen Fall aufkommen lassen.

Im Moment sind wir dabei, neue Songs zu schreiben. Ende des Jahres wird eine Split-7“ mit den Japanern von Sabbat auf Iron Pegasus erscheinen. Darauf covert jede Band von der anderen einen Song. Außerdem wird wohl noch eine Coversache mit einem sehr bekannten Death Metal Drum-Gott am Gesang herauskommen - das ist aber noch geheim und ich sag auch nicht mehr dazu. :-)

Klingt spannend... Wann kommt die neue Platte?

Keine Ahnung - im Moment sind wir mit ca. vier Songs fertig - wenn alles gut geht, werden wir Ende kommenden Jahres ins Studio gehen. Zur Überbrückung gibt‘s ja die 20-Jahres-Box und die beiden besagten Kleinigkeiten. :o)

So, die Geschichtsstunde ist damit beendet, liebe Kinder. Bleiben wir gespannt, was die nächsten 20 Jahre Desaster noch bringen werden.


Band-Homepage: www.total-desaster.com
Interview: Ingo


Event Kalender

<<  May 12  >>
 Mo  Tu  We  Th  Fr  Sa  Su 
   1  2  3  4  5  6
  7  8  910111213
14151617181920
21222324252627
28293031   

Popup Module

This is the Popup Module feature. Assign any module to the popup module position, and ensure that the Popup Feature is enabled in the Gantry Administrator.

You can configure its height and width from the Gantry Administrator.

More Information