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Mon, May 21, 12

Creed

Creed

Creed - Eine Lehre fürs Leben

2009 ist auf der einen Seite mit Sicherheit eines der stärksten Reunion-Jahre der letzten Dekaden, während unglaublich viele Combos ihr 20-jähriges Bandbestehen auf der anderen feierten. Beides ist bemerkenswert und ungemein interessant für uns Journalisten, sowie für die restliche Welt des Rocks und Metals. 20-Jähriges Jubeljahr zelebrierten u.a. J.B.O., Gamma Ray, Desaster oder Amorphis, während große Namen wie Skunk Anansie, Alice In Chains oder nun Creed (allesamt in dieser Ausgabe vertreten) ein eindrucksvolles Comeback hinlegten.

Creed

Creed - Eine Lehre fürs Leben

2009 ist auf der einen Seite mit Sicherheit eines der stärksten Reunion-Jahre der letzten Dekaden, während unglaublich viele Combos ihr 20-jähriges Bandbestehen auf der anderen feierten. Beides ist bemerkenswert und ungemein interessant für uns Journalisten, sowie für die restliche Welt des Rocks und Metals. 20-Jähriges Jubeljahr zelebrierten u.a. J.B.O., Gamma Ray, Desaster oder Amorphis, während große Namen wie Skunk Anansie, Alice In Chains oder nun Creed (allesamt in dieser Ausgabe vertreten) ein eindrucksvolles Comeback hinlegten.

Creed, die im Gegensatz zu den anderen zwei erwähnten Truppen, die kürzeste Auszeit genossen, hatten sich 2004 aufgrund unüberwindbarer interner Differenzen getrennt. Während Sänger und Profi-Exzentriker Scott Stapp auf Solopfaden wanderte, schlossen sich die übrigen drei Musiker Mark Tremonti (git), Scott Phillips (dr) und Brian Marshall (bass) mit Sänger/Gitarrist Myles Kennedy zusammen und gründeten Alter Bridge. Der Erfolg von Creed von 1995 bis 2004 beinhaltete drei Studioalben, die sich satte 24 Millionen Mal verkauften, während das Zweitwerk „Human Clay“ 11-fach Platinstatus erreichte. Fünf Jahre später taucht der Vierer nun in Urbesetzung mit geradezu überschäumender Energie und einem phänomenalen vierten Album aus der Versenkung wieder auf. Mark Tremonti, der mich aus der Musikballungszentrum Nashville, Tennessee anruft, scheint kein bißchen müde vom Pressezirkus zu sein und betont (sicher zum 100sten mal), wie enthusiastisch und gestärkt er und Kollegen der Zukunft entgegen sehen.

Wir hatten uns damals trennen müssen. Es führte kein Weg daran vorbei, es waren einfach zu viele Probleme persönlicher Natur entstanden, die uns bei der angefangenen Produktion der vierten Scheibe in 2004 bereits den Todesstoß verpaßten. Umso mehr freuen wir uns, diese Zwistigkeiten nun komplett hinter uns gelassen zu haben. In fünf Jahren ist enorm viel passiert, kann ich Dir sagen. Jeder von uns ist um ein Vielfaches ruhiger und besonnener geworden, was in erster Linie daran liegt, daß wir alle nun Familie haben und man dadurch wesentlich verantwortungsvoller in seinem Tun wird. Wir haben uns in einem sehr langen und ausführlichen Gespräch bei einer Flasche Wein gegenseitig unsere Fehler verziehen und waren wirklich froh, wieder zueinander gefunden zu haben. Jeder hatte danach sofort den inneren Drang herausplatzen zu lassen: „Laßt uns Creed wieder aufbauen“! Und so kam es.

War es nicht hart damals den Schlußstrich unter ein so erfolgreiches Projekt zu ziehen? Schließlich wart Ihr auf dem Zenit Eurer Popularität angelangt.

Nein, eigentlich überhaupt nicht. Im Gegenteil… es fiel uns ein schwerer Stein vom Herzen, als wir die Sache beendeten, denn es machte einfach keinen Spaß mehr. Es wurde zu viel Verletzendes gesagt und getan, daß zu diesem Zeitpunkt absolut nichts mehr zu kitten war. Und wenn Dir Dein Job keinen Spaß mehr bereitet, kannst Du nicht gut darin sein. Die Konsequenz daraus ist, du gibst ihn auf und wendest dich neuen Aufgaben zu. Da ist es vollkommen egal, welchen Erfolg du nach außen hin gerade hast. Zumindest war es uns egal.

Ich kann mir trotzdem nicht vorstellen, daß es so einfach war, eine Band wie Creed plötzlich untergehen zu lassen. In Eurer Größenordnung ist doch sicher nicht wenig Geld im Spiel, auf das auch Eure Plattenfirma schielt. Oder?

Nun, glücklicherweise waren wir alle in einer Position, wo wir es uns auch leisten konnten, unsere Entscheidungen alleine zu treffen. Und wenn kein gemeinsamer Wille vorhanden ist, am selben Strick zu ziehen, kann das keinen Erfolg mehr sichern und damit auch der Plattenfirma nicht von Nutzen sein. Es war schon richtig, so wie wir es gemacht haben.

Was das starke Comeback nur bestätigt. Aber sag mal, wenn man Eure Texte auf „Full Circle“ liest, bekommt man den Eindruck, Ihr habt in weiser Voraussicht alles zum Thema „Wiedervereinigung und deren Gründe“ dort verbaut, um Euch die lästigen Interviewfragen zu ersparen, was? ;-)

Hehe, ja das stimmt! Es geht um zweite Chancen, die Fähigkeit sich zu ändern, persönliche Entwicklung… all das sind die Erklärungen zu unserer Situation. Clever von uns, was? Haha!

Durchaus, da muß ich mir gleich was anderes einfallen lassen! ;-) Gibt es denn Songs auf dem Album, die vielleicht noch etwas anderes ausdrücken sollen und besonders wichtig auch für Euch sind und nicht nur für Scott, der sie natürlich nach außen transportiert?

Eigentlich sind alle Lyrics wichtig für uns. Sie treffen nicht nur auf Scott zu, sondern bieten genug Interpretationsfreiheit, um sie für andere Personen und uns übrigen Drei auch funktionieren zu lassen. Wobei man schon auch sagen muß, daß die meisten Zuhörer sich natürlich schon auf den Sänger einschießen und denken, daß alles von ihm handelt. Ich hatte mit Scott an den Lyrics im Studio zusammengearbeitet und wir verwendeten eine Menge poetischen Stoff, den er in den letzten fünf, sechs Jahren gelesen hatte, um diesen auf unsere persönliche Situation, auf was er und ich in der Vergangenheit erlebt hatten, zu konvertieren. Eine zweite Chance zu nutzen und sich zum Positiven zu entwickeln hat sicherlich immer Gültigkeit… für jeden, nicht nur für uns. 

Man muß also erst einmal fallen, um daraus zu lernen?

Das trifft zumindest exakt auf uns zu. Als wir damals so erfolgreich waren, wurde das für uns zur Selbstverständlichkeit. Man hatte die Wertschätzung dafür vergessen. Und durch den Einbruch kam auch wieder die freie Sicht, auf das was wir durch die eigene Verblendung verloren hatten. Das machte uns stärker wie nie zuvor, denn wir wollten nach Klärung unserer persönlichen Reibereien, wieder das Beste aus uns herausholen, um mit Kampfeswillen wieder anknüpfen zu können.

Denkst Du der Gedanke hat globale Gültigkeit? Man muß erst die Tiefen erkunden, um zu den Höhen zu gelangen?

Nein, das glaube ich nicht. Menschen sind verschieden. Viele Leute haben vielleicht einen natürlichen Instinkt für richtige Entscheidungen und andere wiederum brauchen hier und da einen Tiefschlag, um die Scheuklappen fallen zu lassen.

Und viele lernen nie aus ihren Fehlern.

Ich hoffe sehr, daß das bei uns nicht der Fall ist. Ich denke, es war Jedem eine Lehre fürs Leben. Zumindest fühlt es sich gerade so an bei uns. ;-)

„Full Circle“ ist ein sehr druckvolles Album mit viel Kraft in jeder Hinsicht geworden. Es gibt kraftvolle Texte, energetische Rhythmen und auch powervolle aber dennoch sanfte Stücke. Der Sound der Scheibe spiegelt nicht nur die aktuell einsetzbare Technik wieder, sondern vermittelt viel Echtheit und Nahbarkeit. Wie kam das zustande?

Du weiß ja, daß wir in der Zwischenzeit mit Alter Bridge und Scott mit seinem Soloprojekt beschäftigt waren. Und jeder von uns mußte feststellen, wie hart es geworden ist, in der Rock´n Roll Welt zu überleben. Man strengt sich deshalb besonders an und wird mit der Zeit natürlich immer besser als Musiker und Songwriter. Diese Platte reflektiert definitiv, was wir uns alle hart erarbeitet haben.

Wie groß ist Euer Comeback denn so, was die Medienpräsenz angeht?

Nun, wir wurden von Conan O´Brian in seine Late Night Show eingeladen und wir haben einige Sachen aufgenommen für AOL, Yahoo und Horizon, vorzüglich für Internetgeschichten, um so viele Menschen damit zu erreichen, wie nur möglich.

Wenn Creed jetzt wieder richtig durchstarten, müssen die Fans von Alter Bridge dann Einbußen befürchten?

Nein, nein, Alter Bridge ist mir nach wie vor sehr wichtig. Myles wird Ende November zu mir nach Hause kommen, um gemeinsam das neue Album fertigzuschreiben. Wir werden Ende Januar ins Studio gehen, sodaß wir die Scheibe hoffentlich im Spätsommer auf den Markt bringen können.

Also haben beide Bands weiterhin Bestand und keine muß sich der anderen unterordnen?

Nein, beide Bands haben ihre Daseinsberechtigung, da an beiden hart und mit viel Leidenschaft gearbeitet wird. Alter Bridge ist weniger kommerziell und dafür mehr Metal und experimenteller, während Creed viel geradliniger ist. Es werden den Fans auf jeden Fall beide Bands erhalten bleiben!

Und zeitliche Probleme siehst Du da keine kommen?

Eigentlich nicht… wir haben uns die Übersicht für das nächste Jahr schon vorgenommen und alles Wichtige frühzeitig geplant. Das sollte schon hinhauen. Wie gesagt, werden wir 2010 mit Alter Bridge beginnen und dann nach den Aufnahmen, die ungefähr im April wohl beendet sein dürften, mit Creed auf US Tour gehen, dann einige US-Festivals mitnehmen, bevor wir im Herbst nach Europa auf Tour kommen.

Wie war Myles´ Reaktion eigentlich, als er hörte, daß Ihr Creed reaktivieren wollt?

Oh, er hat es verstanden, warum wir das tun wollen. Es gibt tausende von Bands da draußen, die versuchen, Fuß zu fassen und wir waren bereits auf einem hohen Level angelangt. Ihm war klar, daß es eine mächtige Verschwendung von Potenzial gewesen wäre, wenn wir das nicht zu unserem Vorteil genutzt und es nicht noch mal versucht hätten. Wir respektieren uns alle gegenseitig und wissen, daß dies aus den richtigen Gründen angegangen wird. Deshalb gibt es da auch keine Neider oder Vernachlässigungsbefürchtungen. Vielleicht richtet das Ganze auch ein wenig mehr den Spot auf Alter Bridge und auch Myles, der ja ein Wahnsinns-Sänger ist.

Glaubst Du die neue Scheibe kann erfolgsmäßig an Eure Glanzzeiten anknüpfen?

Weißt Du, der größte Erfolg für uns liegt schon alleine darin, daß wir es geschafft haben, eine weitere Creed-Scheibe aufzunehmen! Wir sind allesamt mehr als zufrieden damit und finden, es ist die beste Creed-Platte die wir bislang veröffentlicht haben. Was die Verkaufszahlen angeht, bin ich komplett planlos, da sich die Zeiten derart verändert haben und man sicher nicht heute mit vor sieben Jahren vergleichen kann, wo noch sehr viele Alben verkauft und nicht downgeloaded wurden. Aber solange Leute auf unsere Konzerte kommen und uns live spielen sehen wollen, verbuche ich das als großen Erfolg für uns.

Apropos live… die Zeit wäre doch Marketing-technisch perfekt, zumal ja Weihnachten vor der Türe steht, um eine Live DVD zu veröffentlichen, oder?

Ja, das hast Du schon richtig gerochen! ;-) Wir bringen sogar gleich zwei DVDs auf den Markt und zwar eine Creed Live DVD mit einem Konzert, das wir in Houston aufnahmen und eine DVD, die Alter Bridge live in Amsterdam zeigen wird.

Na dann „fröhliche Weihnachten“! ;-)


Band-Homepage: www.creed.com
Interview & Text: Max

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