Armored Saint - Rennen ohne Motivation
Nach gut 3 1/2 Jahren kommt nun das von den Fans sehnlichst erwartete neue In Extremo-Album „Sängerkrieg“ in die Läden. Die Erwartungen waren hoch und wurden auch mehr als erfüllt. Titelseiten und jede Mende Medienpräsenz sprechen eine eindeutige Sprache. Allerorts wird mit einem Charteinstieg in den vordersten Plätzen der Charts gerechnet (was sich ja inzwischen mit einer locker-flockigen Landung auf Platz 1 der Deutschen Charts bestätigt hat. Red.). Wir haben die Gelegenheit genutzt, und uns ein paar Tage vor der VÖ mit der Band nach einer Autogrammstunde in Fürth zum gemütlichen Schnellschwätzchen getroffen.

Armored Saint - Rennen ohne Motivation
Was haben die Jungs von Armored Saint nicht schon alles hinter sich? Die Kalifornier um Gründer John Bush und Joey Vera hatten musikalisch jedes As im Ärmel, um bei den Großen mitmischen zu können. Doch der Erfolg wart ihnen nicht vergönnt. Mit dem zurecht überschwenglich gelobten Album „Symbol Of Salvation“ anno 1991, das ihrem kurz zuvor an Leukämie verstorbenen Gitarristen Dave Prichard gewidmet war, endete auch nahezu gleichzeitig die bis dahin mit vier Scheiben im Gepäck erklommene Sprosse der Karriereleiter. Sänger John Bush bekam die Offerte des Frontpostens bei Anthrax und nahm an. Die Band löste sich daraufhin auf. Zum Millennium fand die Gruppe erneut zusammen und lieferte in den beiden Folgejahren wieder zwei gute Alben mit „Revelation“ und „Nod To The Old School“ ab. Doch danach trat erneut die Stille ein. Fast ein Jahrzehnt später liegt uns nun die neue Scheibe mit dem Titel „La Raza“ (span. „Das Rennen“) vor. Das Hin-und-her scheint, trotz sehr guter ermutigender Kritiken nicht spurlos an seinen Mitgliedern vorbeigegangen zu sein, wofür Basser Joey Vera, mit starker Wortkargheit und einer latenten Lethargie, ein spürbares Beispiel abgibt.Bereits neun Jahre sind vergangen, seit Euer letztes Album “Nod To The Old School“ erschien. Die Lücke zwischen „Symbol Of Salvation“ und dem quasi Comeback-Album „Revelation“ betrug damals ebenfalls ganze neun Jahre. Wird es nach dem neuen Werk „La Raza“ erstmal ein zweites geben oder verschwindet Ihr vorerst wieder für weitere neun Jährchen in der Versenkung?Diese Band arbeitet nicht, wie es andere tun. Wir schaffen es nur zusammen zu kommen, wenn die nötige Zeit und auch die Inspiration dafür vorhanden ist. Gleich nach „Nod…“ ging John wieder zu Anthrax zurück und ich wieder zu Fates Warning, um dort weiter zu arbeiten. Wir hatten erst 2008 mit dem Schreiben der Songs zu „La Raza“ begonnen, was ein volles Jahr in Anspruch nahm. Du siehst also, zehn Jahre sind schneller vorbei, als man denkt!
John ging damals 1992 zu Anthrax und Armored Saint schien Geschichte zu sein. Dann quittierte er ´99 dort seinen Job und nun arbeitet er aber wieder mit ihnen zusammen. Nur, daß Armored Saint noch hier sind. Hat sich das mittlerweile eingependelt, sodaß beides balanciert werden kann?Nur fürs Protokoll, John ist nicht wieder fest bei Anthrax eingestiegen! Er hat zugestimmt, einige Shows mit ihnen zu spielen, das ist aber auch schon alles. Und zusätzlich zum Protokoll: Wir sind mit Armored Saint auch nicht wieder „zurück“, wie es eine normale Band wäre, wenn sie ein neues Album abliefert. Wie ich schon sagte, diese Band funktioniert anders.
Über die Jahre, als John bei Anthrax sang und Armored Saint eigentlich beerdigt war, hattest Du sogar einige Male mit Anthrax live auf der Bühne gestanden und den ausgestiegenen Frank Bello ersetzt. Dann gibt es offensichtlich keine Ressentiments zwischen Euch?Nein, überhaupt nicht. Und es wird auch keine geben.
Wie ist das, wenn man fast 30 Jahre lang versucht, seine eigene Band groß zu machen und eine andere Band einem ständig den Stuhl unterm Hintern wegzieht?Wir haben schon 1991 den Versuch aufgegeben, eine „erfolgreiche“ Band zu werden. Das zählt schon gar nicht mehr.
Aufgrund Deiner Aussagen, nehme ich mal an, daß „La Raza“ dann auch nicht wie jede andere Platte einer Band betourt und groß promotet wird… was war dann der Beweggrund, sie aufzunehmen?Wir hatten das Gefühl, etwas sagen zu müssen und haben deshalb die Scheibe aufgenommen. Wie Du richtig vermutest, sind weder Promotionpläne, noch sonstige Specials im Gange. Vielleicht werden wir ein paar Shows spielen… es soll ein Video für einen der Songs gedreht werden, für welchen wissen wir noch nicht… aber das war´s dann auch schon wieder.
Es ist schwer nachvollziehbar, wie Ihr, nach all den Jahren der Hin- und Hergerissenheit, des nie eingetretenen großen Erfolgs und sonstiger Widrigkeiten, immer noch so grooven könnt wie die Hölle – was man auf „La Raza“ eindrucksvoll vorgesetzt bekommt. Woher nehmt Ihr die Kraft, immer noch durchzuhalten und trotzdem so auf den Putz zu hauen?Wir machen einfach drauf los, wenn uns das Gefühl überkommt, ehrliche Rockmusik aus uns strömen lassen zu können. Wir stehen unter keinerlei Erfolgsdruck, sind weder unserer Karriere, noch einem Management oder Label gegenüber verpflichtet, eine gewisse Ernte einzufahren. Wir können an die Sache also vollkommen unbeschwert und mit Freude herangehen. Das ist eine sehr befreiende Arbeitsweise.
Kannst Du Dir vorstellen, daß von den wenigen Shows, die Ihr spielen werdet, auch welche in Deutschland stattfinden werden?Wir haben zurzeit überhaupt keine Tourpläne, egal wo hin. Aber wenn es nach unserer Wunschliste ginge, wo wir gerne spielen würden, dann auch sicher in Deutschland. Ich weiß nur noch nicht wann!
Tja, da können die Fans eben nur hoffen… aber als Armored Saint Fan ist man das Hoffen ja gewöhnt!
Band-Homepage: www.armoredsaint.com
Interview & Text: Max