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Eisbrecher
Schon von dreihundert Metern Entfernung konnte man sie knattern hören – die circa zehn Bikes starke Harley Davidson-Eskorte, die einen gelb-weißen ´51er Chevy-Oldtimer zur Rock Fabrik Nürnberg begleiteten, in dem Vollzeitglatze und Charaktermime Alexx Wesselsky – die singende Hälfte von Eisbrecher – chauffiert wurde. Zum Release des neuen Eisbrecher-Albums „Eiszeit“ wurde eine Party in der RoFa angesetzt, zu der die Band eingeladen und Alexx als DJ sich verdingen sollte. Nach dem Blitzlichtgewitter der Fotografen und derer, die sich unbedingt mit dem charismatischen Hünen ablichten lassen wollten, fuhren wir in selbigem Vierräder in die Hallen des Ofenwerks neben der RoFa, in denen Autos wie jenes aufpoliert werden und bekamen ein lauschiges Plätzchen in Armin´s Brillenmacherei-Büro zum Talk angeboten. Alexx zeigte sich wie immer supercool und relaxt zum anfänglichen Trigespräch, bis sein Konterpart Noel Pix ab der zweiten Interviewhälfte das lustige Talk-Quartett komplettierte.

Schon von dreihundert Metern Entfernung konnte man sie knattern hören – die circa zehn Bikes starke Harley Davidson-Eskorte, die einen gelb-weißen ´51er Chevy-Oldtimer zur Rock Fabrik Nürnberg begleiteten, in dem Vollzeitglatze und Charaktermime Alexx Wesselsky – die singende Hälfte von Eisbrecher – chauffiert wurde. Zum Release des neuen Eisbrecher-Albums „Eiszeit“ wurde eine Party in der RoFa angesetzt, zu der die Band eingeladen und Alexx als DJ sich verdingen sollte. Nach dem Blitzlichtgewitter der Fotografen und derer, die sich unbedingt mit dem charismatischen Hünen ablichten lassen wollten, fuhren wir in selbigem Vierräder in die Hallen des Ofenwerks neben der RoFa, in denen Autos wie jenes aufpoliert werden und bekamen ein lauschiges Plätzchen in Armin´s Brillenmacherei-Büro zum Talk angeboten. Alexx zeigte sich wie immer supercool und relaxt zum anfänglichen Trigespräch, bis sein Konterpart Noel Pix ab der zweiten Interviewhälfte das lustige Talk-Quartett komplettierte.
Max: Erinnerst Du Dich noch, als wir 1998 oder 1999, damals noch für das Crunch Magazin, unser erstes Interview hatten? Damals, als Euch alle krampfhaft versuchten mit Rammstein zu vergleichen. Welch absurder Gedanke - Clawfinger sollte der Vergleich sein...
Alexx: Aber sicher erinnere ich mich! Der Grundgedanke bei Megaherz war damals Crossover zu spielen, Grunge meets Crossover. Seit dem legendären „Herzwerk 1“-Album war klar, daß das unsere Marschrichtung werden würde. Dafür, daß Rammstein plötzlich so viel Erfolg hatten, konnten ja wir nichts. Da wird plötzlich etwas groß und jeder vergleicht Dich damit. Das geht uns ja mit Eisbrecher genauso: Irgendwann landeten Oomph! in den Charts und es hieß, wir klängen wie Oomph! Jetzt klingen wir halt wie Unheilig... ;-/
Max: Dabei werfen einem die Die Hard-Fans dann natürlich sofort den Kommerzgedanken vor...
Alexx: Da sagst Du was. Da hast du dann die sogenannten „wahren“ Fans, die erwarten, daß du für immer im Underground verharrst. Nach deren Ansicht müßtest du so „true“ sein, daß du eigentlich gar keine Platte aufnimmst und auch niemals vor Publikum spielst, denn es könnte ja irgend jemand von Dir Notiz nehmen. Dann spielt man aus Versehen irgendwann vor 1.000 Leuten und schon kommen sie wieder und sagen "Ich war damals dabei, als sie allein für mich gespielt haben - und jetzt biedern sie sich beim Mainstream an...!" Das könnte ich eigentlich auch sagen: Ich hab Rammstein damals 1996 zur Herzeleid-Tour gesehen, als sie vor nur 80 Mann gespielt haben. Und jetzt? Jetzt füllen sie die Olympiahalle... diese Huren! Haha.
Max: Wichtig ist dabei, einfach seinen Weg weiter zu gehen und sich nicht reinreden zu lassen, oder?
Alexx: Exakt. Niemand kann Lemmy vorschreiben, daß er für immer den selben Song spielen soll. Wer weiß, vielleicht denkt er irgendwann "Ich geh auf die 70 zu - ich spiel jetzt Schlager". Das wäre zwar fies und der Erfolg wäre schlagartig vorbei, vorschreiben könnte es ihm aber keiner. Genauso verhält es sich mit Eisbrecher. Wir machen uns um das ganze Gerede und Vergleiche absolut keine Gedanken. Wir sind stolz auf jede Scheibe, die wir fertig haben und hoffen einfach, daß sie gut ankommt.
Ingo: Daran dürfte kein Zweifel bestehen bei dem Auflauf, der heute bei der Autogrammstunde und danach vor der Rockfabrik stattfand.
Alexx: Das ist eine tolle Geschichte, daß wir heute zur Veröffentlichung der Platte eine solche Action mit Bikern, fettem Schlitten und einer wirklich erfolgreichen Autogrammstunde durchziehen konnten. Was natürlich auch wieder nicht „true“ ist, weil dann wäre ja keiner gekommen... Na und jetzt geht's schon wieder los mit den Vergleichen: Jetzt isses der liebe Herr Graf und Unheilig. Unheilig!? Man kann uns doch nicht damit vergleichen! Meine Meinung zum neuen Unheilig Album: Nächste Woche auf NDR 3-Schlagernacht. Das ist Schlager. Er war halt nie der Wolf im Schafspelz, wie alle gemutmaßt haben. Meine Güte, wenn er genug Leute findet, die Familyentertainment wollen, dann ist das doch OK.
Max: Auf der anderen Seite ist die aktuelle Chartsituation von Unheilig ja nicht die schlechteste für Eisbrecher.
Alexx: Das stimmt allerdings. Die Leute, denen Unheilig dann doch zu seicht ist, die müssen sich nur umdrehen und finden in Eisbrecher eine echte Alternative. Wir können sowohl schmusen, als auch auf den Kopf hauen. Wir sind so ein Sammelsurium der verschiedensten Stilrichtungen… ein Stilmix, der uns eigentlich schon lange das Genick hätte brechen müssen. Inzwischen ist unser Stilmix unser Stilmittel und die Fans machen´s mit, was für uns bedeutet, wir können eigentlich machen, was wir wollen, ohne uns verbiegen zu müssen. Das ist die Große Freiheit - um den Grafen zu zitieren! Haha!!
Ingo: Für die neue Platte habt Ihr Euch mit gut 1 1/2 Jahren eine Menge Zeit gelassen. Ursprünglich war sie für April 2009 angekündigt...
Alexx: Ja, das war so eine Sache. Diese Info haben wir irgendwie leichtsinnig ausgeplappert und wußten im selben Moment, daß es total unrealistischer Blödsinn war. Plötzlich war's schon September 2009 und jetzt isses halt April 2010 geworden. Das Problem lag in der Zeit. Klar, durch die Checker-Sachen verdiene ich meinen Lebensunterhalt und mir die Freiheit, mich in der Musik vollkommen ausleben zu können, weil ich auf die Verkäufe nicht zwingend angewiesen bin. Dazu ist der Checker (Sendung auf D-Max für echte Männer und Frauen mit cooler Einstellung! ;-) / Max) mit Sicherheit nicht ganz unschuldig am Erfolg von Eisbrecher. Auf der anderen Seite ist genau das der Punkt, der bei mir zu einer richtigen Schreibblockade geführt hat. Es geht nicht, daß du dich abends nach dem Dreh noch hinsetzt und schnell ein, zwei Texte schreibst. Nach der letzten Checker-Staffel brauchte ich erst einmal eine dreimonatige Auszeit, um mich wieder aufs Schreiben konzentrieren zu können. Ich dachte zwischenzeitlich schon, mir würde überhaupt nichts mehr einfallen. Zum Glück kam es dann doch anders.Ingo: Wo wir gerade bei Deinen Texten sind… über diese wird ja doch ab und zu mal gern gemault.
Alexx: Das war schon immer so. Laß es mich so sagen: MIR gefällt, was ich schreibe! Und wenn's mir gefällt, weiß ich ganz genau, es wird beim Konzert- oder Festivalpublikum auch gut ankommen. Wir sind ja nicht angetreten, um hochintellektuelles Textgut abzuliefern - das sind Songs und keine Gedichte, verdammt! Und ein Song muß einen guten Text, eine gute Melodie haben und fertig. Das muß im Club genauso knallen, wie live. Ich sehe die neuen Songs jetzt schon live vor mir und das Publikum ausrasten. Deshalb freue ich mich auch schon tierisch auf die anstehende Minitour, in die wir jetzt quasi aus dem Studio stürzen. Wir werden da rausgehen und mächtig einen rausdrücken... Das klingt jetzt ein wenig komisch... Geruchlos, meinte ich... ;-)

Max: Ich muß jetzt aber trotzdem auch mal „maulen“… Was ist eigentlich bei Eurer letzten Scheibe „Sünde“ passiert? Das Teil war unglaublich düster und die Texte teilweise schon… abgrundtief schwarz!
Alexx: Das stimmt - nur bewußt war uns das bei der Produktion nicht. Das haben wir erst danach gemerkt, als wir uns die Platte am Stück angehört hatten. Ich kann Dir auch nicht sagen warum - das ist einfach so gekommen. Noel schreibt die Musik, die ihm gerade gefällt und fragt mich dann, was ich davon halte. Danach beginne ich, mir Texte dazu einfallen zu lassen. Erst wenn du alle Songs des Albums fertig hast, kommt der Punkt, an dem du merkst, was du insgesamt zusammengebastelt hast. Die Platte war sehr harsch, auch eben was die Texte angeht. Schau Dir "Heilig" an, es hat bis 2010 gedauert, bis ans Licht kam, was wir 2008 schon gesagt haben. Ich wußte schon immer, daß Klöster nur eine Tarnung für schwule Mönche sind.
Max: Im Vergleich dazu ist "Eiszeit" ja schon fast fröhlich ausgefallen.
Definitiv. Die Scheibe ist wesentlich entspannter. Sicher, sie hat schon auch ihre Momente – „Amok“ tut schon weh, wenn man es zuläßt - aber die gesamte Scheibe kommt wesentlich lockerer um die Kurve. Oh, da kommt der Pix, der soll auch mal was dazu sagen. Komm her, setz Dich und geb Deinen Senf dazu! Findest Du die neue Scheibe auch happier, als "Sünde"?
Noel: Happy? Ihr findet unsere neue Scheibe happy!!???
Max: Nein - positiver...
Noel: Ok, das unterschreibe ich. Zu "Sünde" kann ich nur sagen: Wenn du ein Jahr lang im Studio sitzt und dich gegenseitig anschaust, dann kommst du irgendwann so schräg drauf, daß sowas dann halt dabei herauskommt – haha!
Alexx: Richtig, das haben wir bei "Eiszeit" vermieden - da haben wir uns kaum angeschaut.
Noel: Ja – oder ich hab Alexx angerufen und gesagt, komm doch vorbei und war dann gar nicht da, hihi! Das „aus dem Weg gehen“ hat ganz gut funktioniert. Nach dem Motto: Ich zeig Dir welchen Knopf Du drücken mußt, dann rennst Du runter ins Studio und singst, bis Du happy bist und drückst wieder auf den Knopf. Und wenn's mir nicht gefällt, ruf ich den Lex von Megaherz an, der macht das bestimmt auch gern. Hahaha!
Alexx: (verdreht die Augen) Naja, ich darf mich nicht beschweren. Ich hab ja gerade gesagt, er soll herkommen...
Noel: Wir haben uns einfach mehr Zeit gelassen. Klar, gegen Ende wird es immer knapp, aber diesmal war's entspannt knapp. Es ist immer schwer über das eigene Baby etwas zu sagen. Wobei... heute hab ich während der Fahrt unser neues Album gehört und es echt cool gefunden.
Alexx: Du bist ja total krank!!
Noel: Warum denn? Ich denke, keine Band ist jemals 100 Prozent zufrieden. Du findest immer noch etwas, das besser gemacht hätte werden können.
Alexx: Da will man einen Song auf einen bestimmten Level bringen, aber man schafft es nicht...
Noel: So ein Song ist diesmal auch wieder drauf. Aber wir werden den Teufel tun und Euch sagen, welcher das ist, hehe.
Alexx: Dafür gewinnen andere Songs während der Produktion, von denen man das niemals erwartet hätte.
Ingo: Die Arbeit scheint Euch auf jeden Fall eine Menge Spaß zu machen.
Noel: Aber natürlich. Man muß dabei auch bedenken, daß wir nur zwei Leute sind, denen das Ergebnis gefallen muß und wir uns schon richtig lange kennen. So wissen wir, wie wir miteinander umzugehen haben und können uns gegenseitig gut einschätzen. D.h. Alexx' Welt bricht nicht gleich zusammen, wenn ich mal einen seiner Texte nicht toll finde und umgekehrt.
Max: Mir ist aufgefallen, daß auf "Eiszeit" vielmehr richtig „gesungen“ wird als zuvor.
Noel: Ich weiß natürlich in zwischen auch, wie ich Alexx' Stimme am besten zur Geltung bringen und bei welchen Songs sie richtig wirken kann. Wir wollten diesmal einfach songdienlicher arbeiten und deshalb steht die Melodie mehr im Vordergrund.Alexx: Noel hat mir diesmal die Chance gegeben, den Sänger in mir rauszukehren.
Max: Wo Du dann auch mal Dein Tremolo einsetzen konntest…
Alexx: Das ist dann die Situation, wo Pix mir reinmeckert und sagt: "Laß Dein Tremolo stecken und sing den Ton gerade!" Wir machen hier keinen Soul! Hahaha!
Noel: Alex muß da unheimlich aufpassen, sonst klingt er wie Maffai!
Alexx: Das ist der Unterschied zwischen Unheilig und uns: Pix ist meine Maffai-Bremse! Wir sind immer noch eine Rockband, die mit Schlager-Attitüden spielen darf. Aber es wird nie wie ein schwuler Schlager klingen! ;-)
Noel: Man muß Alex an dieser Stelle auch mal ein großes Kompliment machen. Ich kenne wenig Sänger, die "Hauch des Lebens" kredibel so singen können, daß es auch ein Rockfan cool findet. Laß das mal einen anderen singen, dann hast Du Deinen Schlager. Laß es mich singen und Du gehst heim und weinst!
Alexx: Wobei man erwähnen muß, daß Noel diesmal wirklich auf der Platte als Sänger zu hören ist – was richtig super klingt. Aber wenn er mir einen neuen Song mit seinen Melodien vorgibt, ist seine Stimme auf der Aufnahme. Das ist Pop pur. Vergeßt die Meier-Landruth - Noel ist unser neuer Star für Oslo!
Und mit ihm hätten wir vielleicht sogar reelle Chancen, wer weiß?
Band-Homepage: www.eis-brecher.com
Interview & Text: Max & Ingo
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