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Mon, May 21, 12
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Borknagar - Eine universelle Weltanschauung

Sechs Jahre sind eine überdurchschnittlich lange Zeit, die zwischen zwei regulären Alben liegt, wenn man vom Akustik-Album "Epic" und einer "Best of" absieht. Eine lange Zeit, in der es im Hause Borknagar mit Label- und Besetzungswechseln mehr, als turbulent zu ging. Nun steht mit "Universal" das langerwartete neue Borknagar-Scheibchen zur Diskussion und Bandkopf und Gitarrist Øystein G. Brun Rede und Antwort.

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Fiddler's Green - Mit Speed ins Folk!

Sechs Jahre sind eine überdurchschnittlich lange Zeit, die zwischen zwei regulären Alben liegt, wenn man vom Akustik-Album "Epic" und einer "Best of" absieht. Eine lange Zeit, in der es im Hause Borknagar mit Label- und Besetzungswechseln mehr, als turbulent zu ging. Nun steht mit "Universal" das langerwartete neue Borknagar-Scheibchen zur Diskussion und Bandkopf und Gitarrist Øystein G. Brun Rede und Antwort.

Seit 2004 hattest Du Besetzungswechsel, Labelwechsel und was weiß ich noch alles zu "verkraften". Von "business as usual" kann demnach nicht die Rede sein, oder?

Wenn du mich so fragst, hast du natürlich recht, zum Standard-Ablauf kann man das nicht zählen. Daß Jens und Erik die Band zwischenzeitlich verlassen hatten, um 2008 wieder zu uns zu stoßen, lag auch viel daran, daß es bei den beiden zu dem Zeitpunkt einfach mal genug war. Sie waren ausgebrannt und wollten sich regenerieren und andere, wichtige Dinge in ihrem Leben erledigen. Wir haben den Kontakt nie verloren und böses Blut gab es auch nicht. Die Tür stand immer offen für die beiden und sie waren auch nie wirklich weit von der Band entfernt. Sie haben zwischenzeitlich auch die eine oder andere Live-Show mit uns gespielt und als die Zeit reif war und das neue Album langsam konkretere Formen annahm, traten sie wieder in den "Inner Circle" von Borknagar. Sie waren die ganze Zeit irgendwo noch Teil der Band - nur eben nicht auf einem Album vertreten. So eine große Sache war das nicht. Man wird eben auch älter und muß sich um die Familien kümmern und hat Verpflichtungen. Das ist bei mir auch nicht anders das Wichtigste in meinem Leben NACH meiner Familie bleibt immer die Musik und beim Rest der Band verhält sich das ebenso.

Als die beiden das Line-Up wieder komplettiert hatten, war ja wieder alles im Lot - bis der Drummer aufgrund musikalischer Differenzen das Handtuch geworfen hat. Welche Differenzen könnten das gewesen sein? Sooo anders klingt die neue Scheibe ja nun auch nicht...

Das war exakt der Grund. Um voran zu kommen ist es natürlich wichtig, daß in einer Band unterschiedliche Geschmäcker vorhanden sind und man sich auch über verschiedene Themen konstruktiv in die Haare bekommen. Asgeir und ich kamen allerdings zu dem Punkt, an dem es dann einfach nicht mehr weiter ging. Ich wollte mit Borknagar wieder zu unseren Wurzeln zurückkehren, während Asgeir in eine völlig andere Richtung wollte. So haben wir einfach gemerkt, daß es an der Zeit war, getrennte Wege zu gehen. Wir sind noch immer gute Freunde, lediglich musikalisch hat es am Ende einfach nicht mehr gepaßt.

Mit Sänger Vintersorg und dem neuen US-Drummer David Kinkade (ex- Malevolent Creation) seit Ihr inzwischen zum internationalen Musikantenkollektiv geworden.

Hehe ja, das ist wohl nun so. Ich wohne in Bergen, Vintersorg in Schweden, der Rest der Band in Oslo und der Schlagzeuger in Amerika. Zum Glück ist David's Freundin Holländerin und er ist ohnehin eine Jahreshälfte dort, was die Fliegerei dann doch etwas einfacher gestaltet. Ich habe mir im Vorfeld selbstverständlich Gedanken um die Entfernung zu David gemacht. Auf der anderen Seite stand an erster Stelle die Musik. Ich wollte die besten Musiker in der Band versammelt wissen, die ich bekommen konnte. Vor diesem Hintergrund geriet die Frage nach der Entfernung schnell in den Hintergrund, denn David ist ein phantastischer Drummer und dazu noch ein wirklich cooler Typ. Die Welt ist durch das Internet einfach näher zusammen gerückt, was eine Band wie die unsere auf jeden Fall wesentlich einfacher funktionieren läßt. Jeder von uns hat sein eigenes gut ausgestattetes Studio zu Hause und kann seine Ideen sofort aufnehmen und den anderen sofort zur Verfügung stellen. Es ist eine wesentlich effizientere Art des Musikschreibens. Natürlich ist es nicht so "true", als wenn man sich zusammen setzt, erstmal einige Bier in sich kippt und dann irgendwann anfängt zu arbeiten. Sicher, das macht auch Spaß, meine Arbeitsweise hat jedoch schon immer etwas anders ausgesehen...

Nach sechs Jahren Wartezeit waren die Erwartungen von Fans, Presse und nicht zuletzt Eurem neuen Label mehr, als groß. Hast Du das als Druck empfunden und wie geht man damit um?

Wir sind immer aufgeregt, wenn eine neue Platte fertig wird, weil einfach so viel Energie und Herzblut in jedem der Songs steckt. Es gab schon immer Erwartungen und Leute, die auf die neue Platte gewartet haben - aber unter Druck haben wir uns deshalb noch nie gesetzt. Wenn ich ein Album fertiggestellt habe, bin ich zu dem Zeitpunkt auch immer 100%ig zufrieden mit dem Ergebnis. Wäre ich, wären wir es nicht, hätten wir einfach so lange weiter gearbeitet, bis wir diesen Punkt erreich hätten. Natürlich ist es immer wieder interessant, die Reaktionen der Fans abzufragen oder die Rezis der Presse zu lesen, aber einen Einfluß auf unsere Arbeit hat das alles nicht.

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Wie waren die bisherigen Reaktionen auf "Universal"?

Die Reaktionen waren toll: Im Metal Hammer 7,5 von 10, Rock Hard 8,5 Punkte Das hat uns alles sehr gefreut. Natürlich hast Du immer die eine oder andere Review, die nicht so begeistert ist, das gehört auch dazu. Das Gros der Feedbacks war aber sehr positiv bis überwältigend.

Wie schätzt Du die Chancen ein, daß die Scheibe an die Erfolge von "Empirism" und "Epic" anknüpfen kann?

Nach meiner aktuellen Info ist "Universal" schon jetzt die mit Abstand bestverkaufte Platte, die das Label bis jetzt in 2010 veröffentlicht hat. Insofern denke ich schon, daß wir an die alten Erfolge werden anknüpfen können.

Da in der Scheibe das Beste aus der alten und der neuen Borknagar-Welt zusammengeführt wird, liegt der Verdacht nahe, daß die Scheibe deshalb "Universal" genannt wurde...

Ja, damit liegst Du gar nicht so falsch. Ein Aspekt, der zu dem Titel geführt hat war sicher die Zusammenführung unserer musikalischen Wurzeln mit der Zukunft. Ein anderer Aspekt, der in dem Titel auch ausgedrückt werden soll ist das lyrische Konzept hinter dem Album, daß sich intensiver mit der Lebensweise hinter Pagan verbirgt. Nicht das Met-Trinken und Feier-Exzesse, was landläufig unter Pagan verstanden wird, sondern die wahre, historische Sicht der Dinge. Das Leben im Einklang mit der Natur, die generelle Weltanschauung in den alten Pagan-Traditionen ist heute wieder zu einem sehr wichtigen Lebensaspekt geworden. Ich denke, man kann sich aus diesen alten Lehren auch in der heutigen Zeit viel Kraft für das moderne Leben ziehen.

Pagan the original way im Prinzip, klingt interessant. Das Konzept für die aktuelle Platte hast Du Dir ja bereits während der Arbeiten zu "Epic" zurecht gelegt. Da liegt die Vermutung nahe, daß Du nun schon Pläne für den Nachfolger  2016 hast...

2020, um genau zu sein, hehe. Nein, diesmal geben wir etwas mehr Gas. Tatsächlich arbeiten wir schon jetzt am neuen Material und fünf bis sechs Songs für das Nachfolgealbum sind bereits fertig komponiert. Ein fixes Datum gibt es noch nicht, wir haben uns vorgenommen, Ende dieses Jahres mit den Aufnahmen zu beginnen. Eine Veröffentlichung Mitte 2011, spätestens im Herbst, sollte so realisiert werden können, wenn alles normal verläuft.

Bleibt Euch bei dem straffen Zeitplan überhaupt Zeit, um 2010 Festivals oder Konzerte zu spielen?

Klar. Nur, daß wir diesmal nicht wie üblich nur Festivals spielen, sondern eine Art Mini-Tour planen. Da wir alle Familien und Verpflichtungen haben, ist es inzwischen schwer sich auf die Festivals zu konzentrieren. Das zieht sich dann immer über den kompletten Sommer hin, wenn man relativ gut präsent sein möchte. Wir versuchen es kompakt und am Stück durchzuziehen, um nicht zu zeitintensiv zu fahren.

Nach 15 Jahren im Business findet sich noch immer keine Live-CD oder -DVD in Eurem Backkatalog. Woran liegt das?

Wir werden andauernd danach gefragt, was auch verständlich ist. Wir besitzen jede Menge Material, das eigentlich nur noch geschnitten und veröffentlicht werden muß, sehr viel "On-the-road-behind-the-scenes-backstage"-Material. Wir dachten dabei unsere Version von "Cliff 'em All". Ein Grund, weshalb es sich so lange damit hinzieht ist, daß ich selbst absolut keinen Bezug zu Live-CDs habe. Ich würde mir so etwas niemals selbst kaufen, weil ich den Sinn einer Live-CD nicht nachvollziehen kann. Allein schon die Bezeichnung "Live-CD" ist unwirklich: Entweder ich gehe zu einer Live-Show oder ich höre mir eine Studio-CD an. So ist das Thema innerhalb der Band nicht mit allerhöchster Priorität angesetzt, aber irgendwann werden wir das anpacken.

Vor dem Release von "Universal" habt Ihr das Label gewechselt und die Akustik-Scheibe und eine Best of veröffentlicht, um den Vertrag mit Century Media zu erfüllen. Nun ist Century Media ganz sicher nicht der schlechteste Platz für eine Band im internationalen Label-Vergleich. Warum wolltet Ihr dennoch den Wechsel zu Indie-Records?

Wir waren nie unzufrieden mit Century Media, das sei gleich vorweggeschickt. Es fühlte sich einfach so an, als ob nach sechs Alben beim selben Label eine Luftveränderung her mußte. Wir waren irgendwie in einer Sackgasse der Zusammenarbeit angekommen und die frühere Euphorie war nicht mehr in der alten Form vorhanden. Darüber hinaus boten uns Indie eine weitaus besseren Deal an, was natürlich auch ein wichtiger Aspekt ist. Außerdem ist es natürlich eine feine Sache, wenn Du nur die Straße runtergehen mußt, um mal kurz auf einen Kaffee bei Deinem Label vorbei schauen kannst. Das ist echter Luxus hehe.

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Sicher, das klingt logisch. Nach der langen Pause habt Ihr im internationalen Band-Vergleich etwas an Boden eingebüßt. Wo siehst Du die Band im Moment und wohin wird die Reise gehen. Was denkst Du können Borknagar mit "Universal " erreichen?

Klar, die schwerste Frage hebst Du Dir für den Schluß auf haha. Ich habe mir darüber eigentlich noch nie wirklich Gedanken gemacht. Ich denke schon, daß wir noch immer eine gute Credibillity bei den Fans besitzen und unsere echte Fanbase auch nach sechs Jahren nicht merklich geschrumpft ist. Wir haben es über die Jahre geschafft, einen Sound zu kreieren, der in seiner Form einzigartig ist. Sicher gibt es im Moment Gruppen, die populärer sind und bei Festivals die besseren Slots erhalten, doch laß uns über diese Bands, die nun schnell im Trend hochgekommen sind in sechs Jahren reden. Da wird die wahrscheinlich kein Mensch mehr kennen, aber wir sind dann noch immer da und spielen vielleicht wieder die angenehmeren Positionen in den Timetables. Wir haben noch nie Kompromisse zugelassen und sehen uns nach wie vor eher als eine größere Underground-Band als einen größeren Act und fühlen uns in der Rolle sehr wohl. Es ging mir persönlich nie darum Geld zu scheffeln oder ein großer Rockstar zu werden, sondern darum, mich in meiner Musik auszudrücken und diese einem Publikum zu präsentieren. Wir haben immer gut verkauft und das, obwohl wir keine echte Touring-Band sind und ich denke, daß sich das auch wegen einer längeren Unterbrechung nicht  verändert hat, was die aktuellen Verläuft ja auch bestätigen. Auch bei Century Media waren wir die mit Abstand am besten verkaufende Band aus dem Bereich der Black Metal-artigen Musik.

Black Metal-artige Musik - die Bezeichnung hab ich in der Form auch noch nicht vernommen. Als Black Metal würde ich Euren Sound nun überhaupt nicht bezeichnen. Wenn eine Schublade, dann epischer Avantgarde Metal oder sowas...

Epischer Avantgarde Metal. Hmmm. Das klingt interessant. Es war niemals mein Plan, Black Metal zu spielen. Labels und Presse versuchen dich immer zu kategorisieren. Ich brauche das nicht, denn meine Musik ist wesentlich größer, als ich in Worten beschreiben möchte und kann. Aber die Avantgarde-Sache klingt wirklich nicht schlecht...


Band-Homepage: www.MySpace.com/borknagar
Interview & Text: Ingo

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