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Mon, May 21, 12
Live-Berichte Crana Historica 2010

CRANA HISTORICA 2010

22. – 24.05.2010
Veste Rosenberg, Kronach
1 Stage, 10 Bands, ca. 2.500 Besucher


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Festival der Geschichte

Auf der einzigen erhaltenen Festung Deutschlands fand bereits zum zweiten Mal das Crana Historica statt. Drei Tage lang verwandelte sich die Festung in ein mittelalterliches Feldlager mit Schaukämpfen, einem Feldlazarett, mittelalterlichen Spezialitäten und einer bunten Mischung von Spielleuten. Für das H|T|M war natürlich der Auftritt der elektrisch unterstützen Spielleute am Samstag interessant.

Los ging es zur Mittagszeit mit Virrasztok einer Folk Metal Band aus Ungarn, die den Anheizerpart übernehmen mußte und die wenigen Fans, die zu diesem frühen Zeitpunkt anwesend waren, vor die Bühne lockten.

Danach traten die Bayern von Dunkelschön auf, die mit ihren mittelalterlichen, teils recht rockigen Klängen, für ordentlich Stimmung vor und auf der Bühne sorgten. Instrumente aus längst vergangener Zeit wie Harfe, Drehleier, Nyckelharpa, Irish Bouzouki und die verschiedensten Flöten, sowie die alten überlieferten Gesänge versetzten das Publikum direkt ins Mittelalter. Sicherlich eines der Highlights des Samstags.

Nun wurde es Zeit für die Spielleute von Cumulo Nimbus, die mit einem Gewittersturm über Kronach einfielen. Wenn diese Musiker die Bühne betreten, ist es aus und vorbei mit Rumstehen und Gucken, was der Abend bringen könnte, denn ab dem ersten Ton ist klar, was kommt: Abrocken, Feiern und Spaß haben. Was man so vom Mittelalter Rock erwartet, setzen die sechs Spielleute mit musikalischem Können, Herzblut, Blockflöte, Laute und Violine, E-Gitarren und Bass, witzig, charmant gekonnt um. Ein insgesamt gelungener Auftritt, was auch die Fanreaktionen belegten.

Nach einer kurzen Pause waren für eine Stunde Horch an der Reihe, die dienstälteste Band des Festivals - sie machen schon seit 1979 die Bühnen unsicher. Mit ihrer ganz eigenen Version von Folkrock waren sie eher für die ruhigeren Momente zuständig und erinnerten nicht nur einmal an Jethro Tull. Die Fans nahmen die ruhigen Momente dankbar entgegen und genossen es, sich zu den Klängen von Flöten und Schalmeien zu erholen. Waren die bisherigen Bands im VW unterwegs, war Horch wohl eher im Audi ;) auf Tour.

Reincarnatus glänzten vor allem durch die Bandbesetzung, die bei Teilen der männlichen Festivalbesucher sicherlich der visuelle Höhepunkt war. Die sieben Niederländerinnen vermischten Folk mit Popelementen und kleinen mittelalterlichen Ansätzen zu einem recht seichten Gesamtwerk, das zwar gut ankam, aber sicherlich die beiden Vorbands nicht toppen konnte, was auch daran zu erkennen war, daß nicht nur der Schreiber dieser Zeilen, sondern auch andere Fans den nächsten Metstand aufsuchten, um für Nachschub zu sorgen.

In der langsam einsetzenden Dunkelheit versprühte die Festung einen ganz besonderen Charme und die Lichtanlage auf der riesigen Bühne kam nun bestens zur Geltung - was von den Berlinern Cultus Ferox bestens genutzt wurde. Mit ihrer härteren Gangart und ihrem Piratenimage kamen sie bei den Fans hervorragend an. Mit teilweise deftigen Texten rockten sie sich durch ihren 90-minütigen Auftritt und sorgten bei den mittlerweile fast 1.000 Besuchern nicht nur in den ersten Reihen für heftige Reaktionen. Lediglich bei den Balladen fiel die Stimmung und auch der Sound etwas ab.

Gegen 22 Uhr trat dann der Headliner des diesjährigen Crana Historica auf: Korpiklaani. Die Finnen legten los, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Der gut gefüllte Wallgraben tanzte, sang und pogte was das Zeug hielt. Der Sound kam glasklar und druckvoll aus den Boxen. Der „Klan des Waldes“ spielte sich durch ein Best of-Programm und wußte auch mit den neuen Stücken zu überzeugen. Leider wollte die Begeisterung der Fans nicht so recht auf die Band überspringen, was sich in der sehr geringen Kommunikation zwischen Band und Publikum und der für einen Headliner doch recht (enttäuschend) kurzen Spielzeit von knapp (!) 90 Minuten inklusive Zugabenblock widerspiegelte.

Musikalisch überzeugte das Crana (wie es von Vielen genannt wird) mit einer sehr guten Mischung vieler mittelalterlicher Spielrichtungen. Die Location konnte für ein solches Event nicht besser gewählt sein, das weitere Programm (Mittelaltermarkt, Schaukämpfe, Feldlager etc.) war mehr als sehenswert, einzig die geringe Zuschauerzahl enttäuschte etwas, obwohl auch das Wetter vom Feinsten war. Es bleibt nach diesem gelungenen Wochenende nur noch die Hoffnung zu äußern, daß 2012 mehr Fans den Weg nach Kronach finden.


Festival-Homepage: www.crana-historica.de
Text & Fotos: Böhmi

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