Tourtalk: Scorpions - The Long Kiss Goodnight / Pfüati, Servus, mach´s guat auf scorpianisch
Die größte Rockband Germaniens aller Zeiten hat sich entschlossen endgültig Schluß zu machen: Die Scorpions treten mit dem besten Album seit 20 Jahren eine dreijährige Monster-Abschieds-Tournee an, um würdig aus dem Rock-Olymp abzutreten. Im Rahmen des Gigs in der Münchener Olympiahalle wurde den Hannoveranern noch kurz die goldene Schallplatte für „Sting In The Tail“ verliehen, bevor Klaus Meine und Rudolf Schenker zum kurzen Talk mit einigen Journalisten luden. Die Zusammenfassung aller Fragen wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten.
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In Zeiten, in denen alle großen Rock- und Metal-Festivals regelmäßig ausverkauft sind, in denen Rockmusik wieder salonfähig geworden ist, wählt Ihr gerade diesen Zeitpunkt, um abzutreten. Meint Ihr nicht, daß gerade jetzt, wo Ihr auch auf Platte enorm wiedererstarkt dasteht, der falsche Zeitpunkt sein könnte?Klaus: Ich denke, man sollte aufhören, wenn es am allerschönsten ist. Nach 40 Jahren im verrückten Rock-Zirkus, wollen wir mit Klasse und Stil abtreten. Die Scorpions waren immer eine sehr gute Live-Band. Diesen Level wollen wir halten bis zum Ende unserer Karriere. Wir sind realistisch genug um zu wissen, daß wir einen Gang zurück schalten müssen. Das werden wir aber ganz sicher nicht auf Kosten unseres Publikums machen. Das sind wir uns selbst und unseren Fans schuldig.
Werdet Ihr danach komplett aufhören, oder wird es schon noch das eine oder andere Lebenszeichen von Euch geben?Rudolf: Es ist ja nun nicht so, daß nun einer auf den Mars und ein anderer auf den Jupiter zieht. Wir leben alle in und um Hannover und werden natürlich in Kontakt bleiben - und wenn es nur ist, um uns die Spiele von Hannover 96 anzusehen.
Klaus: Unser Team hat gestern den Klassenerhalt geschafft!! Yeah! Gestern hat mich ein Journalist gefragt, ob ich nervös wäre, weil die Tour in Deutschland komplett ausverkauft ist. Ich habe geantwortet, daß ich nur nervös bin, ob es die 96er schaffen, in der ersten Liga zu bleiben! :-)
Rudolf: Interessant ist auch, daß man uns vorher immer fragte, wie lange wir das noch durchhalten wollen. Jetzt, da wir langsam auf das Ende der Ära zusteuern, fragt jeder: „Warum hört Ihr auf?“ Da paßt doch etwas nicht. Wir wollen jetzt eine tolle Tour spielen, so viel Spaß wie möglich haben und jetzt am Anfang der Tour nicht ans Ende denken!
Klaus: Es ist ja nicht nur die Goldene Schallplatte, die uns mit Freude erfüllt. Die letzten Wochen haben uns so euphorisch gestimmt, wie selten zuvor in unserer Karriere. Man ist nach jedem Album froh und aufgeregt, doch bei „Sting In The Tail“ ist das eine Spur intensiver. Die Platte ist seit Wochen in den Top 10 und laut unserem Label noch immer auf dem Weg nach Oben. Wenn alles gut läuft, dann wird es nicht mehr lange dauern und wir knacken die Platin-Schallmauer. Das hätte kaum einer von einer Band, die seit 40 Jahren da ist, erwartet. Wir selbst auch nicht.
Was sicher viele nicht verstehen können ist die Radikalität Eures Schnittes. Wieso beschränkt Ihr Euch nicht nach der Tor auf unregelmäßige Festival-Shows?Klaus: Besonders bei Festivals stehst du doch im direkten Vergleich, in direkter Konkurrenz zu all den anderen Bands, die dort auch spielen. Glaube mir, gerade bei Festivals willst du ganz sicher nicht damit beginnen, etwas langsamer zu treten. Wir werden 2011 einige Festivals spielen, das ist schon fest geplant - aber zahmer werden wir da nicht auftreten!
Rudolf: Hört Ihr jetzt auf, uns mit den Endzeit-Fragen runter zu ziehen?! Wenn wir heute Abend eine miese Show abliefern, weil wir alle schlecht drauf sind, dann seid Ihr daran schuld! Hehe.
Klaus: Im Moment fühlen wir diesen letzten Vorhang auch noch nicht wirklich - dafür ist einfach zu viel Weg und zu viele Shows vor uns. Wir waren die letzten Jahre eigentlich permanent auf Tour oder im Studio. Das haben in Deutschland nur nicht so viele Leute mitbekommen, weil wir hier seit Jahren keine solche Tour gespielt haben. Und jetzt kommen wir nach so langer Zeit zurück und können eine komplett ausverkaufte Arena-Tour durch die größten Hallen in Deutschland spielen. Das macht uns natürlich sehr glücklich.
Was hat sich aus Eurer Sicht in den letzten 20 Jahren bei den Shows geändert? Wie spürt Ihr die Energie heute?Klaus: Heute ist das Empfinden noch immer sehr intensiv, wenn sich auch einiges an der Art des Performens geändert hat. Heute springe ich nicht mehr vom Drumriser, das würde sehr komisch wirken, denke ich. Die Fans fragen natürlich immer nach den klassischen Show-Elementen, wie der Pyramide - die werden wir heute vielleicht sogar machen - aber vom Drumriser springe ich nicht mehr. Vielleicht bilden wir auch wieder das Knäuel [die Versuche, „The Knäuel“ ins Englische zu übersetzen scheitern auf sehr amüsante Weise. Mein Favorit: „When Arjen Robben is shooting a goal, everybody‘s building a Knäuel. It‘s a desaster on stage.“]. Mal sehen, wie fit wir heute Abend sind. Hehe. Man muß auch sehen, daß die Bühnen früher nicht so weitläufig waren, wie sie heute sind. Heute rennen wir viel mehr umher als damals. Da muß man schon aufpassen, daß man nicht ineinander rennt.
Ist Rock‘n‘Roll ein Jungbrunnen?Klaus: Musik im allgemeinen ist ein Lebens-Elixier, das einen jung und aktiv hält. Insofern ist Rock-Musik für uns auf jeden Fall ein Jungbrunnen.
Scorpions, Edguy
10.05.2010
München, Olympiahalle
Besucher: ca. 20.000
Ticket: ab 57,00 EUR
Hier noch die Edgyu-Pix:
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Deutschlands größte Rockband aller Zeiten macht sich vom Acker -allerdings nicht klammheimlich, falls das irgend jemand geglaubt haben sollte. Mit einer Medienpräsenz, wie sie um die Band hierzulande seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr entfacht wurde und einem grandiosen Abschiedsalbum im Rücken, wollen es die Hannoveraner Germania und dem Rest der Welt noch einmal richtig zeigen, bevor sie sich in gut drei Jahren dann endgültig verabschieden. Mit den Fuldaer gute Laune-Grinsekisten von Edguy haben sie sich einen ordentlichen Opener gegönnt, der selbst schon den einen oder anderen Hit eingefahren hat. Entsprechend wohlwollend wurden Tobi Sammet und seine Mannen auch vom Publikum empfangen und der Applaus für jeden Song fiel für einen Opener mehr als beachtlich aus. Natürlich konnte Tobi es sich wieder nicht verkneifen, das Publikum kurz zu schocken, als er sich am Ende des 40minütigen Sets bedankte und dem Publikum einen guten Heimweg wünschte. Nicht wenige Stimmen wurden zweifelnd laut, ob denn die Scorpions nicht mehr spielen würden. Großartig! :-). Nach ca. 20 Minuten des Umbaus enterten dann die Scorpions die Bühne und die Halle stand sofort Kopf! So brachial gut hab ich die Band noch nie (!!) aufspielen sehen und hören. Der Sound war gigantisch, die Bühne riesig und die Show stellte sogar die aktuelle Rammstein-Präsentation in den Schatten: Schwebendes Drumkit, Feuersäulen, LED-Wände auf drei Ebenen, Feuerwerk und und und... Die Scorps spielten ALLE Klassiker und einige der neuen Songs, die sich nahtlos in das musikalische Klassiker-Gebilde einfügten, was eine eindeutige Sprache hinsichtlich der Qualität des neuen Albums spricht. Nach zwei Stunden musikalisch wie visuellen Overkills traten die Scorpions Ihren letzten Gang herunter von der Bühne in der Olympiahalle zu München an, was nicht wenige Besucher trotz aller Begeisterung mit Wehmut erlebten. Jeder, der die Chance bekommt, sich diese Giganten noch auf der laufenden Tour oder den Festivals 2011 anzusehen, sollte diese unbedingt nutzen!
Band-Homepage:
www.the-scorpions.comInterview, Fotos & Text:
Ingo